12 February 2026, 12:53

90-Jährige muss bis April ihre Wohnung räumen – trotz jahrelanger Heimat

Ein altes Gebäude mit Schutt aus Holzplanken und Steinen auf dem Boden, mit einer Wand im Hintergrund, die den Abriss vermuten lässt.

90-Jährige muss bis April ihre Wohnung räumen – trotz jahrelanger Heimat

Eine 90-jährige Frau in Dortmund muss bis Ende April ihre Wohnung verlassen, nachdem das Gebäude für den Abriss vorgesehen wurde. Lieselotte Hoeber, die seit Jahrzehnten dort lebt, steht nun vor der Herausforderung, in ihrem Alter umziehen zu müssen. Der Vermieter, die Volkswohl Bund, plant den Abriss von fünf Wohnblöcken, um Platz für Neubauten zu schaffen.

Hoebers Haus gehört zu fünf Gebäuden im Bestand der Volkswohl Bund, die abgerissen werden sollen. Der Versicherungskonzern begründet dies damit, dass die Immobilien wirtschaftlich nicht mehr tragbar seien. Doch nur wenige hundert Meter entfernt wurden zwei weitere Gebäude desselben Unternehmens vollständig modernisiert – ein Beweis, dass Sanierungen durchaus möglich wären.

Der Deutsche Mieterbund weist die Argumentation des Vermieters zurück, wonach eine Sanierung teurer wäre als ein Neubau. Die Behauptung sei "völliger Unsinn", hieß es; zudem wurde die Rechtmäßigkeit der an alle 36 Haushalte verschickten Kündigungen infrage gestellt. Dennoch haben die Mieter kaum rechtliche Handhabe, um den Abriss nach geltendem Baurecht zu verhindern.

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Während einige Bewohner bereits in modernisierte Wohnungen umgezogen sind – Gerüchten zufolge gegen finanzielle Anreize –, hat Hoeber beschlossen, nicht weiter zu kämpfen. Sie wird voraussichtlich in eines der sanierten Gebäude ziehen, gibt aber zu, dass der Prozess in ihrem Alter schwerfällt. Auch die Unterstützung für die Mieter ist geschwunden: Nur eine kleine Solidaritätsgruppe protestiert noch gegen die Entscheidung.

Politiker haben sich weitgehend zurückgehalten, was bei den Bewohnern das Gefühl des Im-Stich-gelassen-Werdens verstärkt. Die anfänglichen Proteste von Stadtplanern und Architekten sind verstummt, sodass kaum noch Widerstand gegen die Abrisspläne besteht.

Die fünf Gebäude werden abgerissen, um Platz für Neubauten zu schaffen. Mieter wie Hoeber müssen bis zum 30. April ausziehen – mit kaum Möglichkeiten, sich gegen die Entscheidung zur Wehr zu setzen. Der Fall zeigt, wie begrenzt der Schutz langjähriger Mieter ist, wenn Vermieter wirtschaftliche Gründe für Räumungen anführen.