ABC stoppt erstmals eine komplette Bachelorette-Staffel nach Gewaltvorwürfen
Anton MeyerABC stoppt erstmals eine komplette Bachelorette-Staffel nach Gewaltvorwürfen
ABC setzt erstmals in der Geschichte von The Bachelorette eine gesamte Staffel ab
Zum ersten Mal in der Geschichte der Show hat ABC eine komplette Staffel von The Bachelorette gestrichen. Der Schritt folgt auf ein 2023 aufgetauchtes Video, das die diesjährige Protagonistin Taylor Frankie Paul bei einer körperlichen Attacke gegen eine frühere Partnerin in Gegenwart ihres gemeinsamen Kleinkinds zeigt. Die Entscheidung markiert einen weiteren schweren Eklat für die langjährige Dating-Serie.
Die Franchise steht seit Jahren in der Kritik, was Vielfalt und Inklusion betrifft. Über weite Strecken der Sendung waren die Hauptfiguren fast ausschließlich weiß – trotz öffentlicher Forderungen nach Veränderung. Erst 2017 wurde Rachel Lindsay zur ersten schwarzen Bachelorette, gefolgt von Matt James als erstem schwarzen Bachelor 2021. Beide Besetzungen erfolgten nach anhaltendem Druck von Zuschauern und ehemaligen Kandidaten.
Skandale haben die Show immer wieder erschüttert. 2014 sorgte der ehemalige Bachelor Juan Pablo Galavis mit homophoben Äußerungen für Aufsehen und warf Fragen nach den Werten der Serie auf. Eine 2019 in Singapur gedrehte Folge löste wegen kultureller Unempfindlichkeit Empörung aus. 2021 trat Moderator Chris Harrison nach der Verteidigung einer wegen Rassismusvorwürfen kritisierten Kandidatin zurück – ABC reagierte mit Diversity-Schulungen und der Verpflichtung inklusiverer Produktionsteams.
In den letzten Jahren gab es schrittweise Fortschritte: 2024 wurde Jenn Tran zur ersten asiatisch-amerikanischen Protagonistin, 2023 führte die schwarze Kandidatin Charity Lawson durch The Bachelorette. Dennoch bleibt umstritten, ob diese Veränderungen ausreichen. Kandidat:innen of Color berichten weiterhin von überproportionaler Kritik seitens des Publikums, und Kritiker:innen monieren, dass die grundlegende Erzählstruktur der Show nach wie vor weiß geprägte Perspektiven in den Mittelpunkt stellt.
Die Abschaffung von Taylor Frankie Pauls Staffel bricht mit der bisherigen Praxis des Franchise. Bisher wurden Kontroversen während der Dreharbeiten oder durch öffentliche Stellungnahmen behandelt. Eine bereits fertiggestellte Staffel komplett einzustellen, ist beispiellos.
Die Entscheidung entfernt Paul aus der anstehenden Serie und zwingt ABC, über die Zukunft des Formats zu entscheiden. Gleichzeitig entfacht der Fall erneut Debatten über Verantwortung im Reality-TV. Zwar hat die Show Ansätze zur Diversifizierung gezeigt, doch dieser jüngste Vorfall unterstreicht die anhaltenden Herausforderungen, Unterhaltung mit ethischer Verantwortung in Einklang zu bringen.






