Anna Netrebko polarisiert mit Un ballo in maschera an der Berliner Staatsoper
Lina SchmidtAnna Netrebko polarisiert mit Un ballo in maschera an der Berliner Staatsoper
An der Berliner Staatsoper feierte am Freitagabend eine Neuinszenierung von Un ballo in maschera Premiere. Die Produktion mit der Sopranistin Anna Netrebko in der Rolle der Amelia erntete sowohl Beifall als auch Protest. Vor dem Opernhaus versammelten sich Demonstranten, um gegen ihren Auftritt zu protestieren.
Die fast dreistündige Aufführung von Verdis Oper erhielt starke Anerkennung für Sänger und Musiker. Netrebko, die die russische und österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, wurde vom Publikum mit begeistertem Applaus bedacht. Dies markierte ihre Rückkehr an die Staatsoper nach mehreren Jahren – ihr letzter Auftritt dort lag vor ihrer umstrittenen Feier zu ihrem 50. Geburtstag im Moskauer Kreml im Jahr 2021.
Draußen skandierten etwa 50 Protestierende, die ukrainische Flaggen schwenkten, Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Netrebko steht seit dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 wegen ihrer angeblichen Verbindungen zu Präsident Wladimir Putin in der Kritik.
Die Inszenierung selbst setzte auf kühne künstlerische Entscheidungen. Regisseur Rafael R. Villalobos verband Elemente der queeren Ballroom-Kultur mit Anspielungen auf die AIDS-Krise in bestimmten Szenen. Netrebkos Auftritte in Berlin sorgen seit Langem für Kontroversen: Während ihre Vorstellungen ausverkauft sind und gefeiert werden, kommt es vor dem Opernhaus immer wieder zu kleineren, aber hartnäckigen Protesten.
Die Premiere vertiefte die ambivalente Rezeption Netrebkos in Deutschland. Schon ihre jüngste Rolle in Nabucco Anfang dieses Jahres zog volle Häuser und Medienaufmerksamkeit auf sich – begleitet von Demonstrationen. Im Festprogramm der Staatsoper ist sie nun in einer Produktion zu sehen, die historisches Drama mit zeitgenössischen Themen verbindet.






