Apothekerin schließt Filiale nach nur einem Jahr – warum die Notdienste sie in den Ruin trieben
Philipp SchulteApothekerin schließt Filiale nach nur einem Jahr – warum die Notdienste sie in den Ruin trieben
Wafaa Choukrane, Apothekerin mit 34 Jahren, hat ihre Filiale in Dortmund-Wasserburg nach nur einem Jahr geschlossen. Der Schritt wurde durch finanzielle Schwierigkeiten erzwungen – verursacht durch unwirtschaftliche Notdienste und Personalmangel. Nun konzentriert sie sich darauf, ihre beiden verbleibenden Apotheken offen zu halten, um die lokale Versorgung zu sichern.
Vor einem Jahr hatte Choukrane zwei Apotheken von Frank Grote übernommen und damit ihre Arbeitsbelastung verdoppelt. Dazu gehörten auch die Organisation von Notdiensten, die sich als finanziell nicht tragbar erwiesen. Trotz aller Bemühungen reichten die Vergütungen für diese Leistungen nicht aus, um die steigenden Kosten zu decken.
Zudem wurde es immer schwieriger, Mitarbeiter zu finden, die bereit waren, die Notdienstzeiten zu übernehmen. Lange Schichten und fehlende Urlaubszeiten erhöhten den Druck, sodass Choukrane ihre Betriebsstruktur überdenken musste. Schließlich entschied sie sich, den Standort in Wasserburg zu schließen und die Leistungen in ihrer Ardey-Apotheke zu bündeln.
Ihr Ziel bleibt unverändert: Sie will sicherstellen, dass Patienten weiterhin eine umfassende pharmazeutische Versorgung erhalten. Doch ohne Anpassungen bei den Erstattungssätzen warnt sie, dass kleine Apotheken vor dem Aus stehen könnten. Branchenverbände wie die ABDA (Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände) und der DAV (Deutscher Apothekerverband) teilen diese Sorgen und fordern seit Langem eine Reform der Notdienstvergütungen sowie eine bessere regionale Steuerung durch die Apothekerkammern.
Die Schließung der Wasserburg-Filiale ist ein Beispiel für die wachsenden Herausforderungen, denen sich unabhängige Apotheken gegenübersehen. Choukrans Erfahrung unterstreicht den dringenden Bedarf an besserer Finanzierung und Personalplanung. Vorerst werden ihre beiden verbleibenden Standorte die Versorgung der Bevölkerung weiter sicherstellen – doch auf lange Sicht hängt ihr Überleben von politischen Weichenstellungen ab.
