Bielefelder Apotheker schlagen Alarm: Baur warnt vor drohenden Schließungen und Insolvenzen
Philipp SchulteBielefelder Apotheker schlagen Alarm: Baur warnt vor drohenden Schließungen und Insolvenzen
Apotheker in Bielefeld warnen vor Schließung lokaler Apotheken: Baur schlägt Alarm
Lokale Apotheker in Bielefeld haben dringende Warnungen vor der wirtschaftlichen Überlebensfähigkeit ihrer Betriebe erhoben. Hauke Stange, Inhaber der Adler-Apotheke und Vorsitzender des Bezirksverbandes der Apotheker, traf sich mit Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Baur, um auf die wachsenden finanziellen Belastungen der Branche aufmerksam zu machen. Das Gespräch fand vor dem Hintergrund eines neuen Apothekenreform-Entwurfs statt, der zentrale Forderungen von Apothekenbesitzern in ganz Deutschland ignoriert.
Stange schildert die massive finanzielle Belastung der Apotheken und verweist auf seit zwei Jahrzehnten nahezu unveränderte, staatlich festgelegte Gebühren. Trotz stark gestiegener Personalkosten und Betriebskosten gab es bei der Vergütung nur minimale Anpassungen. Die Lage ist so prekär, dass mittlerweile ein Drittel aller deutschen Apotheken von einer akuten Insolvenzgefahr bedroht ist.
Der vorgelegte Reformvorschlag stößt auf scharfe Kritik, da er die seit Langem geforderten Gebührenerhöhungen nicht vorsieht, sondern eine Entscheidung unbestimmt aufschiebt. Ein weiteres zentrales Problem ist das Fehlen rechtlicher Garantien für die Festpreisregelung bei Medikamenten, die derzeit Verbraucher schützt und Stabilität im Gesundheitssystem sichert. Apotheker warnen, dass ohne diese Schutzmechanismen der unfaire Wettbewerb durch ausländische Versandapotheken weiter zunehmen wird.
Lokale Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Krise: Im Bielefelder Stadtteil Schildesche ist die Zahl der Apotheken von vier im Jahr 2012 auf heute nur noch eine geschrumpft. Zwar schloss 2023 keine Apotheke in Deutschland aufgrund finanzieller Schwierigkeiten – die Gesamtzahl stieg sogar leicht an –, doch Branchenvertreter betonen, dass dies tiefgreifende strukturelle Probleme überdeckt. Zudem droht der Reformentwurf, die Präsenzpflicht für Apotheker abzuschaffen, was die Qualität der Patientenversorgung gefährden könnte.
Die Apotheker forderten Oberbürgermeisterin Baur auf, sich für strengere gesetzliche Schutzmaßnahmen einzusetzen, darunter die Ausweitung der Festpreisregelung auf Online-Anbieter. Versandapotheken, so ihr Argument, könnten nicht das gleiche Maß an pharmazeutischer Beratung bieten wie stationäre Apotheken. Baur sicherte zu, sich über den Deutschen Städtetag auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene für die Belange der Apotheken einzusetzen.
Die Zukunft vieler Apotheken bleibt ungewiss, da kurzfristige Gebührenanpassungen nicht in Sicht sind. Bauers Zusagen, sich für Veränderungen einzusetzen, geben zwar etwas Hoffnung, doch die Branche sieht sich weiterhin steigenden Kosten und der Konkurrenz durch Online-Anbieter ausgesetzt. Ohne rechtliche Reformen steht nicht nur die Stabilität des deutschen Apothekennetzes, sondern auch die Qualität der Patientenversorgung auf dem Spiel.
