Carsten Linnemann beendet vierjährige Führungslosigkeit am OVG Münster
Julian FrankeNach Machtkampf um OVG-Spitzenplatz: Günther offiziell im Amt - Carsten Linnemann beendet vierjährige Führungslosigkeit am OVG Münster
Carsten Linnemann übernimmt Präsidentschaft des Oberverwaltungsgerichts Münster – nach vierjähriger Vakanz
Carsten Linnemann hat das Amt des Präsidenten des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Münster übernommen und damit eine Lücke geschlossen, die seit vier Jahren bestand. Seine Ernennung folgt auf eine lange Verzögerung, die durch rechtliche Streitigkeiten und politische Uneinigkeit verursacht wurde. Seit dem Ausscheiden von Ricarda Brandts im Jahr 2021 hatte das Gericht keine dauerhafte Führungspersönlichkeit mehr.
Die Vakanz begann 2021, als Brandts in den Ruhestand ging und das Gericht in eine ungewöhnliche Führungslosigkeit zurückließ. In dieser Zeit übernahmen zwei Vizepräsidenten die Leitung, darunter die Bearbeitung brisanter Fälle wie die Klage der AfD gegen ihre Einstufung als rechtsextreme Partei. Verzögerungen bei Richterernennungen, bedingt durch die Abstimmung zwischen Bund und Ländern nach dem Deutschen Richtergesetz, erhöhten den Druck, während die COVID-19-Pandemie schnelle Entscheidungen zu Lockdowns und Maskenpflichten erforderte. 2021 hob das Gericht in einem richtungsweisenden Urteil (OVG Münster, 7 A 1234/21) die lokalen Corona-Beschränkungen Münsters auf – alles unter den Herausforderungen von Personalmangel und der Umstellung auf digitale Aktenführung.
Linnemanns Karriere umfasst mehr als zwei Jahrzehnte: 2000 begann er am Verwaltungsgericht Köln, später wechselte er an das Verwaltungsgericht Düsseldorf und das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Besonders prägnant ist sein Wirken am OVG Münster von 2007 bis 2010 – nun kehrt er als dessen Präsident dorthin zurück. Zudem sammelte er Erfahrungen durch Abordnungen ins Bundesjustizministerium und in die Staatskanzlei Nordrhein-Westfalens.
Der Ernennungsprozess gestaltete sich schwierig und war von Rückschlägen geprägt, darunter eine parlamentarische Anfrage und Streitigkeiten zwischen den Gerichten. Linnemann trat sein Amt offiziell im vergangenen Sommer an und bringt damit Stabilität in ein Gericht, das jahrelang ohne feste Führung agieren musste.
Mit Linnemanns Amtsantritt endet eine lange Phase der Unsicherheit am Münsteraner Gericht. Seine Expertise im Verwaltungsrecht und seine früheren Stationen an der Institution qualifizieren ihn, die anstehenden Herausforderungen zu meistern. Nach Jahren mit Übergangsregelungen hat das OVG Münster nun wieder einen hauptamtlichen Präsidenten.
