EU stoppt fleischähnliche Namen für vegane Produkte – doch Adenauers Sojawurst bleibt legendär
Philipp SchulteEU stoppt fleischähnliche Namen für vegane Produkte – doch Adenauers Sojawurst bleibt legendär
EU-Parlament verbietet fleischbezogene Bezeichnungen für pflanzliche Produkte
Eine aktuelle Abstimmung im Europäischen Parlament hat fleischähnliche Begriffe für pflanzliche Lebensmittel verboten. Die Entscheidung folgt auf jahrelange Debatten über Bezeichnungen wie "Burger" oder "Wurst" für vegetarische Erzeugnisse. Gleichzeitig taucht die Geschichte von Konrad Adenauers Kriegs-Sojawurst wieder auf – ein Beleg für die lange Tradition von Fleischalternativen in Europa.
Konrad Adenauer, später erster Nachkriegskanzler Deutschlands, entwickelte während des Ersten Weltkriegs eine Wurst auf Sojabasis. Fleischknappheit zwang zu kreativen Lösungen, und seine "Friedenswurst" sollte günstiges pflanzliches Eiweiß liefern. Obwohl sie noch Reste von Fleisch enthielt, setzte sich das Produkt nie kommerziell durch. Adenauer versuchte sogar, es patentieren zu lassen – erfolgreich jedoch nur in einigen europäischen Ländern. Wie sie schmeckte, bleibt unbekannt.
Die jüngste EU-Regelung baut auf früheren Beschränkungen auf, etwa den Verboten von Milchbegriffen für pflanzliche Produkte zwischen 2019 und 2021. Die letzten Trilog-Verhandlungen stockten Ende 2025, sodass endgültige Entscheidungen frühestens 2026 unter der zyprischen EU-Ratspräsidentschaft fallen. Branchenverbände wie der niederländische CBL kritisieren den Schritt und fordern eine Überarbeitung. Friedrich Merz, Vorsitzender der deutschen CDU, unterstrich die Haltung mit der Aussage, dass Wurst "per Definition nicht vegan" sei.
Supermärkte werden Zeit brauchen, um ihre Etiketten anzupassen. Betroffen sind Produkte wie "vegetarisches Schnitzel" oder "Soja-Wurst", die nun umbenannt werden müssen.
Das Verbot fleischähnlicher Begriffe für pflanzliche Alternativen markiert einen weiteren Schritt in den EU-Kennzeichnungsvorschriften. Adenauers Jahrhundert-Experiment zeigt, wie Kriegsnot einst die Lebensmittelinnovation vorantrieb. Jetzt müssen Gesetzgeber und Hersteller sich an strengere Namensregeln anpassen – in den kommenden Jahren.
