Evangelische Kirche prüft Personalakten auf Spuren häuslicher Gewalt
Philipp SchulteKirche setzt pensionierte Polizisten ein, um Personalakten zu durchsuchen - Evangelische Kirche prüft Personalakten auf Spuren häuslicher Gewalt
Die Evangelische Kirche von Westfalen hat ehemalige Polizeibeamte beauftragt, ihre Personalakten auf Hinweise zu häuslicher Gewalt zu überprüfen. Die Prüfung begann am 1. Februar 2023, ein zweiter Ermittler stieß am 1. März zum Team. Ihre Aufgabe ist es, mögliche Fehlverhalten – ob in der Vergangenheit oder Gegenwart – aufzudecken, bevor gesetzliche Fristen ablaufen.
Die beiden Beamten, die über jahrzehntelange Ermittlungserfahrung verfügen, arbeiten auf freiberuflicher Basis. Zunächst konzentrieren sie sich auf die Akten der aktuellen Mitarbeiter. Im Anschluss werden sie archivierte Unterlagen durchgehen, darunter auch die ehemaliger Beschäftigter. Sämtliche Personalakten der regionalen Kirchenverwaltung sollen geprüft werden, doch der Prozess könnte sich über Monate oder länger hinziehen.
Falls Belastungsmaterial gefunden wird, leitet die Kirche den Fall an die Stelle zur Bearbeitung von Verstößen gegen das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung (UVSS) weiter. Je nach Schwere der Vorwürfe sind disziplinarische Maßnahmen bis hin zur Entlassung möglich. Charlotte Nieße, die Beauftragte der Kirche für Fragen der sexuellen Selbstbestimmung, wird die regionalen Synoden künftig über den Stand der Untersuchungen informieren.
Die Evangelische Kirche von Westfalen ist mit diesem Vorhaben nicht allein. Mindestens drei Landeskirchen innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) haben ähnliche Überprüfungen eingeleitet. Die Evangelische Kirche im Rheinland führt in vielen ihrer 34 Kirchenkreise entsprechende Kontrollen durch, und auch der Kirchenkreis Essen hat mit der Durchsicht begonnen. Die westfälische Initiative knüpft an frühere Schritte an, die die Kirche bereits 2026 mit eigenen Aktenprüfungen eingeleitet hatte.
Ziel der Ermittlungen ist es, mögliche Fälle häuslicher Gewalt – ob vergangen oder aktuell – innerhalb der Kirche aufzudecken. Die Ergebnisse werden entscheiden, ob weitere Maßnahmen erforderlich sind, darunter mögliche disziplinarische Konsequenzen. Einen Zeitplan für den Abschluss der Überprüfung hat die Kirche bisher nicht festgelegt.
