Evonik-Chef Kullmann warnt vor AfD-Einfluss in der deutschen Wirtschaftselite
Philipp SchulteEvonik-Chef warnt kleine Unternehmen vor Annäherung an AfD - Evonik-Chef Kullmann warnt vor AfD-Einfluss in der deutschen Wirtschaftselite
Christian Kullmann, Vorstandsvorsitzender des Chemiekonzerns Evonik, hat sich gegen die wachsenden Verbindungen zwischen deutschen Mittelständlern und der rechtsextremen AfD ausgesprochen. Seine Äußerungen folgen einer Kontroverse um eine geplante Veranstaltung des Verbands der Familienunternehmen, der AfD-Abgeordnete zu einem parlamentarischen Abend im Oktober 2025 eingeladen hat. Kullmann warnte, eine solche Zusammenarbeit berge die Gefahr, extremistisches Gedankengut in der Wirtschaft zu normalisieren.
Evonik, einer der größten Akteure der deutschen Chemieindustrie, verzeichnete 2024 einen Umsatz von 15,2 Milliarden Euro und beschäftigt über 30.000 Mitarbeiter. Die RAG-Stiftung, mit knapp 47 Prozent größter Anteilseigner des Konzerns, verleiht Kullmanns Position zusätzlich Gewicht. Er rief Führungskräfte der Wirtschaft dazu auf, jede Kooperation mit der AfD abzulehnen, und betonte, dass demokratische Debatten nicht durch autoritäre Tendenzen ersetzt werden dürften.
Auslöser der Debatte war die Ankündigung des Verbands der Familienunternehmen, AfD-Politiker im kommenden Jahr zu einer prominent besetzten Veranstaltung einzuladen. Zwar gibt es keine klaren Anzeichen für eine grundsätzliche politische Neuausrichtung im deutschen Mittelstand – den oft familiengeführten kleinen und mittleren Unternehmen –, doch die Einladung stieß auf scharfe Kritik. Kullmanns Stellungnahme spiegelt die wachsende Sorge wider, dass die AfD zunehmend Einfluss auf Wirtschaftskreise gewinnt, auch wenn konkrete Beispiele für frühere Unternehmensunterstützung rar bleiben.
Kullmann beschränkte seine Kritik jedoch nicht auf die geplante Veranstaltung. Er verwies auf einen besorgniserregenden Trend unter Wählern, bei dem Frustration über die traditionelle Politik manche in Richtung rechtsextremer Lösungen treibe. Sein Appell zu einer klaren Haltung gegen die AfD unterstreicht die Spannung zwischen wirtschaftlichen Interessen und demokratischen Werten in der deutschen Wirtschaftslandschaft.
Trotz der Kritik bleibt der parlamentarische Abend für Oktober 2025 terminiert. Kullmanns Eingreifen deutet auf eine mögliche Spaltung in der Wirtschaftselite hin, wie mit der AfD umgegangen werden soll. Mit seiner öffentlichen Positionierung setzt Evonik jedenfalls ein deutliches Zeichen für unternehmerischen Widerstand gegen den wachsenden Einfluss der Rechtsextremen in der deutschen Politik.
