18 February 2026, 10:21

Facharzt-Überweisungen in der Krise: Warum Patienten länger warten als je zuvor

Eine Person zeigt auf ein GPS-Gerät auf dem Armaturenbrett eines Autos, umgeben von Gebäuden, Bäumen und einem klaren blauen Himmel.

Facharzt-Überweisungen in der Krise: Warum Patienten länger warten als je zuvor

Deutschlands Überweisungssystem für Fachärzte steht in der Kritik – nach Berichten über Missbrauch und steigende Wartezeiten

Das deutsche System für Facharztüberweisungen gerät zunehmend unter Druck, nachdem Berichte über Missbrauch und längere Wartezeiten für Patienten bekannt wurden. Obwohl 2019 neue Gesetze eingeführt wurden, um den Zugang zu beschleunigen, werfen Kritiker den Reformen vor, ihr Ziel verfehlt zu haben. Nun mehren sich die Forderungen, die aktuellen Regeln grundlegend zu reformieren – oder sogar ganz abzuschaffen.

Das bestehende Überweisungssystem wurde 2019 im Rahmen des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSV) ausgeweitet. Das Gesetz stärkte die Steuerungsfunktion der Hausärzte, indem es Patienten verpflichtete, für Facharzttermine – insbesondere über zentrale Vermittlungsstellen – eine Überweisung vorzulegen. Das Ziel war, Wartezeiten zu verkürzen, doch die Bilanz fällt ernüchternd aus.

Ein Bericht des Bundesrechnungshofs kommt zu dem Schluss, dass sich die Wartezeiten auf Facharzttermine nicht verbessert, sondern sogar verlängert haben – und das trotz erheblicher Mehrkosten für das System. Inzwischen fordern sowohl der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) als auch der Rechnungshof, die bestehenden Regelungen abzuschaffen.

Viele Hausärzte berichten, sie stünden unter Druck, dringende Überweisungen auszustellen – selbst wenn diese medizinisch nicht gerechtfertigt seien. Eine Umfrage in Nordrhein-Westfalen ergab, dass über 200 Hausärzte mit Fachärzten konfrontiert waren, die unbegündete Eilüberweisungen anforderten. Bundesweit beschrieben rund 750 von 800 befragten Hausärzten ähnliche Erfahrungen. Einige Fachärzte sollen die Dringlichkeitsstufen sogar ausnutzen, um ihre Einnahmen zu steigern – was das System zusätzlich belastet.

Der Verband der Fachärzte (SpiFa) betont zwar, dass Überweisungen rechtmäßig seien, sofern sie medizinisch begründet sind. Gleichzeitig räumt der Verband ein, dass solche Maßnahmen keine zusätzlichen Terminkapazitäten schaffen. Hausärzte hingegen sehen sich zunehmend in Konflikten mit Patienten, wenn sie Eilanträge ablehnen müssen. Zwar funktioniere das System bei wirklich dringenden Fällen, doch kritisieren sie die finanziellen Ungleichgewichte und den erhöhten bürokratischen Aufwand.

Die versprochenen Vorteile des Überweisungssystems – schnellerer Zugang und gerechtere Verteilung – sind laut offiziellen Prüfungen ausgeblieben. Angesichts steigender Wartezeiten und weitverbreitetem Missbrauch wächst der Druck auf eine Reform. Jede Neuregelung müsste sowohl die finanziellen Anreize für Fachärzte als auch die Arbeitsbelastung der Hausärzte in den Blick nehmen.

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