Flaschenpost verbindet Jahrhunderte – von Kolumbus bis zu modernen Kreuzfahrten
Anton MeyerFlaschenpost verbindet Jahrhunderte – von Kolumbus bis zu modernen Kreuzfahrten
Eine einfache blaue Glasflasche, die 2015 in den Atlantik geworfen wurde, enthielt weit mehr als nur eine Botschaft – sie führte eine jahrhundertealte Tradition fort. Jörg und Cornelia Wanke setzten ihre handschriftliche Nachricht von einem Kreuzfahrtschiff aus frei, ohne zu ahnen, welche lange Geschichte hinter solchen Gesten steht. Von frühen Entdeckern bis zu modernen Forschern haben Flaschenposten im Laufe der Zeit den unterschiedlichsten Zwecken gedient.
Die Praxis, Botschaften in Flaschen zu versenden, geht bis auf Christoph Kolumbus zurück. 1493 wurde er als erster dokumentierter Nutzer bekannt, als er seine Entdeckung Amerikas auf diese Weise festhielt. Im 16. Jahrhundert erhielten die Flaschen eine düstere Rolle in der Spionage – wer sie ohne Erlaubnis öffnete, musste mit harten Strafen rechnen.
Wissenschaftler erkannten später ihren Nutzen für die Forschung. Zwischen 1864 und 1936 setzte das Deutsche Hydrographische Institut etwa 5.000 Flaschen aus, um Meeresströmungen zu untersuchen. Manche legten bei starken Strömungen bis zu 24 Seemeilen am Tag zurück, während von den insgesamt 80.000 ausgesetzten Flaschen etwa 5.000 schließlich geborgen und zurückgeschickt wurden.
Für Seeleute in Not wurden die Flaschen zur Rettungsleine. Schiffbrüchige Mannschaften nutzten sie, um ihre letzte bekannte Position zu vermerken, Stürme zu beschreiben oder Abschiedsgrüße zu hinterlassen. Auch die Flasche der Wankes, die am 23. Oktober 2015 von der Star Flyer zwischen Madeira und Gran Canaria ausgesetzt wurde, enthielt eine handschriftliche, eingerollte Nachricht. Jörg Wanke, ein 66-Jähriger von der Insel Usedom, fühlt sich den maritimen Traditionen tief verbunden – für ihn hatte die Geste eine persönliche Bedeutung.
Die Flasche der Wankes reiht sich ein in die lange Geschichte treibender Botschaften, jede mit ihrer eigenen Geschichte. Ob für wissenschaftliche Zwecke oder verzweifelte Hilferufe – diese schlichten Behälter haben Ozeane und Jahrhunderte durchquert. Ihre Reise erinnert uns daran, wie selbst die kleinsten Gegenstände große Bedeutung tragen können.
