Hambacher Loch wird zu Deutschlands tiefstem See – doch Umweltprobleme bleiben
Julian FrankeHambacher Loch wird zu Deutschlands tiefstem See – doch Umweltprobleme bleiben
Energiekonzern RWE verwandelt das ehemalige Tagebaugebiet Hambach in Deutschlands tiefsten See
Aus dem früheren Braunkohletagebau Hambach entsteht ein 42 Quadratkilometer großer See mit einer maximalen Tiefe von 365 Metern. Kritiker warnen jedoch vor Umweltgefahren und dem Einsatz von Rheinwasser zur Flutung des Geländes.
Der Tagebau Hambach, jahrzehntelang eine der größten Braunkohlestätten Deutschlands, wird nach dem Ende des Abbaus umgenutzt. Für den Kohleabbau hatte RWE tausende Hektar des Hambacher Forstes gerodet – ein Erholungsgebiet ging verloren, die biologische Vielfalt war bedroht. Nach Protesten von Aktivisten flossen schließlich 1,3 Millionen Euro in Naturschutzprojekte, um Lebensräume in der Region wiederherzustellen.
Auch die ansässige Bevölkerung litt unter den Folgen: Dörfer wie Lützerath waren durch die Erweiterung des Tagebaus von Abriss bedroht. Klimaproteste und der Einsatz für den Erhalt von Lebensräumen führten zu einem Kompromiss, der sowohl den Wald als auch benachbarte Siedlungen schützte. Die Vereinbarung ermöglichte einen sozialverträglicheren Strukturwandel für die betroffenen Regionen.
Ab 2030 soll die Flutung des Sees beginnen, wobei Wasser über eine 45 Kilometer lange Leitung vom Rhein bei Elsdorf herangeführt wird. Mit einer Kapazität von 18.000 Litern pro Sekunde warnt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) jedoch vor Chemikalien- und Medikamentenrückständen im Fluss. Die Umweltschützer fordern eine Filterung des Wassers vor der Einleitung in den Tagebau. Bis 2033 soll der See etwa ein Drittel seiner Endhöhe erreichen, mit einer Oberfläche von 1.200 Hektar und einer Tiefe von 200 Metern bis 2040. Die vollständige Befüllung mit geschätzten 3,6 Milliarden Kubikmetern Wasser wird erst um 2080 abgeschlossen sein.
Der künftige See wird mit über 100 Metern mehr Tiefe als der Bodensee – aktuell mit 251,4 Metern Deutschlands tiefster See – aufwarten. Zwar zielt das Projekt darauf ab, eine durch den Bergbau zerstörte Landschaft wiederherzustellen, doch Umweltverbände drängen weiterhin auf strengere Schutzmaßnahmen. Die langfristigen Auswirkungen auf die Wasserqualität und die lokalen Ökosysteme bleiben ein zentraler Beobachtungspunkt.






