IW fordert stärkere EU-Handelsbeziehungen mit den Golfstaaten trotz Nahost-Konflikte
Philipp SchulteIW fordert stärkere EU-Handelsbeziehungen mit den Golfstaaten trotz Nahost-Konflikte
Deutsches Wirtschaftsinstitut (IW) drängt auf engere Handelsbeziehungen zwischen EU und Golfstaaten
Trotz der anhaltenden Konflikte im Nahen Osten plädiert das Deutsche Wirtschaftsinstitut (IW) für eine Stärkung der wirtschaftlichen Verflechtung zwischen der Europäischen Union und den Golfstaaten. Eine aktuelle Studie des Instituts zeigt veränderte Handelsströme auf und verweist auf ungenutztes Potenzial für europäische Unternehmen.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat der Handel zwischen der EU und den Golfstaaten an Bedeutung verloren. Während im Jahr 2004 noch 26 Prozent aller Importe in die Golfregion aus Europa stammten, sank dieser Anteil bis 2024 auf nur noch 18 Prozent. Gleichzeitig haben Länder wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ihre Handelsbeziehungen über die traditionellen Partner hinaus ausgebaut.
Laut dem IW-Bericht könnten kriegsbedingte Schäden an der Energieinfrastruktur in der Region deutschen Unternehmen neue Chancen eröffnen. Besonders Maschinen- und Anlagenbauer könnten von Aufträgen profitieren, wenn die Golfstaaten ihre Infrastruktur wiederaufbauen. Deutschland exportiert bereits Fahrzeuge, Pharmaprodukte und Industrieausrüstungen in die Region.
Das Institut empfiehlt der EU, ein formelles Handelsabkommen mit den Golfstaaten anzustreben. Ein solches Abkommen könnte den Zugang zu kohlenstoffarmem Stahl und wettbewerbsfähig produziertem Wasserstoff sichern – beides Rohstoffe, die für Europas künftige Energie- und Industriepolitik von zentraler Bedeutung sind.
Ein Handelsvertrag könnte der EU helfen, verlorene Marktanteile in der Golfregion zurückzugewinnen und gleichzeitig die Versorgung mit wichtigen Rohstoffen abzusichern. Besonders deutsche Exporteure, etwa aus dem Maschinenbau und der grüner Technologien, würden von einer vertieften wirtschaftlichen Zusammenarbeit profitieren. Der Vorstoß des IW kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Golfstaaten aktiv nach neuen Handelspartnern jenseits ihrer traditionellen Bündnisse suchen.






