25 January 2026, 10:26

Junge Menschen warten länger mit ersten sexuellen Erfahrungen – warum dieser Wandel gut ist

Ein altes Foto von zwei jungen Mädchen, die sich umarmen und küssen, mit Text unten eingerahmt.

Junge Menschen warten länger mit ersten sexuellen Erfahrungen – warum dieser Wandel gut ist

Jugendliche in Deutschland verschieben ihren ersten sexuellen Kontakt zunehmend später – das zeigt die aktuelle Forschung. Eine neue Studie des Bundesamts für Öffentliche Gesundheit (BÖG) belegt einen Wandel in der Einstellung: Immer mehr junge Menschen verschieben intime Erfahrungen, bis sie sich wirklich bereit fühlen.

Fachleute raten Eltern nun dringend, bereits vor der Pubertät offen über Sexualität zu sprechen. Ohne solche Gespräche, warnen sie, könnten Kinder auf irreführende Quellen wie soziale Medien oder Pornografie zurückgreifen.

Die 10. Jugendsexualitätsstudie des BÖG offenbart: 2019 hatten noch 61 Prozent der Befragten ihren ersten sexuellen Kontakt mit 17 Jahren. Bis 2025 sank dieser Anteil – 59 Prozent warteten mittlerweile bis zum 19. Lebensjahr. Mechthild Paul, stellvertretende Direktorin des BÖG, deutet dies als Zeichen für einen bewussteren Umgang mit Beziehungen.

Zudem finden erste sexuelle Erfahrungen zunehmend in festen Partnerschaften statt. 65 Prozent der Mädchen und 53 Prozent der Jungen gaben an, ihr erstes Mal mit einer Person erlebt zu haben, mit der sie liiert waren. Unabhängig vom Geschlecht empfanden etwa zwei Drittel der 14- bis 25-Jährigen – ob heterosexuell oder homosexuell – den Zeitpunkt als richtig.

Obwohl Sexualkunde in Schulen verpflichtend ist, meiden einige Familien das Thema weiterhin. Dieses Schweigen kann bei Jugendlichen zu Wissenslücken oder Fehlinformationen führen. Beraterinnen und Berater von Pro Familia beobachten, dass junge Menschen zwar über Verhütung und sexuell übertragbare Infektionen Bescheid wissen, aber oft Gespräche über Gefühle und persönliche Unsicherheiten suchen.

Unterstützung gibt es auch außerhalb von Schule und Elternhaus. Die Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen (katho) bietet mit Programmen wie „Sexuelle Bildung in Kita und Grundschule“ frühzeitige Aufklärung in Nordrhein-Westfalen an. Gleichzeitig hilft das „Qualitätsbündnis zum Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport NRW“ Sportvereinen, Schutzmaßnahmen gegen sexualisierte Gewalt für Jugendliche umzusetzen.

Berater der Arbeiterwohlfahrt (AWO) stellen fest, dass sich Fragen zu Sexualität stärker nach Alter als nach Schulform unterscheiden. Jüngere Kinder äußern oft Ängste, während ältere Jugendliche eher über Beziehungen und Lust sprechen.

Die BÖG-Studie unterstreicht, dass junge Menschen bewusste Entscheidungen über Intimität treffen. Da erste Erfahrungen häufiger in Beziehungen stattfinden, deutet dies auf eine größere emotionale Reife hin.

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Expertinnen und Experten betonen weiterhin die Bedeutung früher, ehrlicher Gespräche im Elternhaus. Ohne solche Begleitung, warnen sie, könnte sich das Sexualverständnis junger Menschen durch Falschinformationen aus fragwürdigen Quellen prägen.