Kunstfreiheit in der Krise: Streit um Düsseldorfer Akademie eskaliert vor Landtag
Philipp SchulteOffener Brief Warnt vor politischem Druck auf Universit├Ąten - Kunstfreiheit in der Krise: Streit um Düsseldorfer Akademie eskaliert vor Landtag
Über 1.100 Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und Kulturfachleute haben einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie die akademische und künstlerische Freiheit in Deutschland verteidigen. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht die Düsseldorfer Kunstakademie, deren Einladung an die palästinensische Künstlerin Basma al-Sharif Vorwürfe des Antisemitismus auslöste. Unterstützer:innen der Rektorin Donatella Fioretti argumentieren, dass politischer Druck die verfassungsmäßigen Garantien für die Meinungsfreiheit untergraben könnte.
Der Streit begann, als die Kunstakademie Düsseldorf al-Sharif, eine Unterstützerin der Kampagne Strike Germany, für einen Vortrag Mitte Januar 2026 einlud. Kritiker:innen warfen ihr Antisemitismus vor, was zu Forderungen nach Absage der Veranstaltung und dem Rücktritt Fiorettis führte. Nach einer rechtlichen Prüfung wurden al-Sharifs Äußerungen zwar als nicht strafrechtlich relevant eingestuft, doch der Vortrag wurde aufgrund von Drohungen in sozialen Medien auf ein internes Publikum beschränkt.
Zu den Unterzeichner:innen des Briefs zählen der Fotograf Wolfgang Tillmans, die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger sowie die Philosophinnen Susan Neiman und Nancy Fraser. Sie verurteilen, was sie als politische Einmischung in kulturelle Institutionen betrachten, und verweisen auf Artikel 5 des Grundgesetzes, der die Freiheit von Kunst, Wissenschaft und Lehre schützt – selbst bei umstrittenen Positionen. Der Brief kritisiert zudem die Instrumentalisierung des Begriffs "Deckmantel" der künstlerischen Freiheit durch die rechtspopulistische AfD, die damit grundlegende Rechte pauschal unter Generalverdacht stelle.
Fioretti soll am kommenden Mittwoch vor einer Sondersitzung des Kultur- und Medienausschusses des Landtages aussagen. Die Initiator:innen des Briefs fordern die Abgeordneten auf, sich klar zu den verfassungsmäßigen Freiheiten zu bekennen und Zensur abzulehnen. Die Warnung kommt zu einer Zeit, in der die Debatten über politischen Einfluss auf Wissenschaft und Kunst weiter an Schärfe gewinnen.
Der offene Brief betont, dass politischer Druck auf institutionelle Verantwortungsträger:innen einen gefährlichen Präzedenzfall für weitere Eingriffe in die Unabhängigkeit von Wissenschaft und Kunst schaffen könnte. Mit Fiorettis anstehender Anhörung verlagert sich der Konflikt nun in den Landtag, wo die Abgeordneten vor der Frage stehen, wie sie Meinungsfreiheit und öffentliche Verantwortung in Einklang bringen. Das Ergebnis könnte künftige Diskussionen über die Grenzen künstlerischer und wissenschaftlicher Freiheit in Deutschland prägen.