Hausarztmangel in NRW: Streit um effektive Maßnahmen - NRW führt Landarztquote ein – doch Hilfe kommt erst 2030
Nordrhein-Westfalen (NRW) führt als erstes Bundesland eine Landarztquote ein – damit sichern sich 1.100 Medizinstudierende mit Schwerpunkt Allgemeinmedizin einen Platz. Die angehenden Ärztinnen und Ärzte verpflichten sich, nach ihrem Abschluss mindestens zehn Jahre in unterversorgten Regionen des Landes zu arbeiten. Doch die ersten Teilnehmer werden erst 2030 ihre Praxen eröffnen, da die lange Ausbildungszeit von Ärzten den Einsatz verzögert.
Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund massiver Engpässe bei Hausärzten in der NRW-Region Westfalen-Lippe, die bundesweit die stärkste Unterversorgung verzeichnet. Laut Bundesärztekammer liegt die Region mit nur 61 Hausärzten pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern auf dem letzten Platz unter allen kassenärztlichen Vereinigungen Deutschlands. Selbst im Vergleich zu den Prognosen anderer Bundesländer für 2025 – etwa Baden-Württemberg (~64) oder Thüringen (68,1) – fällt die Versorgungsdichte deutlich ab. Eine vollständige bundesweite Datengrundlage fehlt jedoch noch.
Das Land hat bereits Gegenmaßnahmen ergriffen: Ein Hausarzt-Förderprogramm, das 2009 gestartet wurde, ermöglichte die Neugündung von über 1.000 Praxen in unterversorgten Gebieten. 80 Prozent der Mittel flossen dabei in die Region Westfalen-Lippe. Dennoch warnt die SPD vor einer weiteren Verschärfung der Versorgungslücken und bewertet die aktuelle Lage als "Versagen der Politik von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU)".
Laumann wies die Kritik zurück und betonte, dass die Lösung des Hausärztemangels "keine Aufgabe für eine einzige Legislaturperiode" sei, sondern langfristiger Planung bedürfe. Auch der CDU-Abgeordnete Daniel Hagemeier verteidigte die Landesregierung und bezeichnete den SPD-Vorstoß für eine Debatte als "Eigentor des Monats". Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Lisa-Kristin Kapteinat hingegen nannte die Zahlen ein "vernichtendes Zeugnis für Laumanns Bilanz".
Mit der Landarztquote soll die medizinische Grundversorgung in NRWs strukturschwachen Regionen langfristig gesichert werden. Doch bis die ersten Absolventen 2030 in die Praxis starten, wird es Jahre dauern, bis die Wirkung spürbar wird. Bis dahin bleibt Westfalen-Lippe die Region mit der niedrigsten Hausarztquote Deutschlands.






