NRW plant Pflicht-"ABC-Kurse" – doch Schulen und Kitas stoßen an Grenzen
Julian FrankeNRW plant Pflicht-"ABC-Kurse" – doch Schulen und Kitas stoßen an Grenzen
Nordrhein-Westfalen plant verpflichtende "ABC-Kurse" für Kinder mit Sprachdefiziten
Nordrhein-Westfalen will für Kinder, die vor der Einschulung in frühen Sprachtests durchfallen, verpflichtende "ABC-Kurse" einführen. Bildungsministerin Dorothee Feller betont, dass kein Kind ohne ausreichende Deutschkenntnisse die Schule beginnen solle. Kritiker jedoch befürchten, dass das Vorhaben mehr Probleme schafft, als es löst.
Nach der neuen Regelung sollen Kinder mit Sprachschwierigkeiten zusätzliche Deutschförderstunden in Grundschulen besuchen. Doch der mehrmalige wöchentliche Transport der Kinder von Kitas zu Schulen stellt ein großes logistisches Problem dar. Viele fragen sich, ob dies überhaupt umsetzbar ist.
Die Grundschulen in der Region sind bereits jetzt am Limit. In Solingen etwa sind Klassenzimmer und Gruppenräume voll belegt, sodass kaum Platz für neue Programme bleibt. Durch den Lehrkräftemangel kommt es häufig zu Ausfällen – unklar ist, wer die ABC-Kurse überhaupt unterrichten soll.
Die Kommunen stehen vor zusätzlichen Belastungen, ohne dass es extra Mittel für neue Gebäude oder Personal gibt. Sozialpädagog:innen, die ohnehin schon überlastet sind, könnten an ihre Grenzen geraten, wenn sie weitere Aufgaben übernehmen müssen. Expert:innen warnen, dass die Maßnahme ohne ausreichende Ressourcen die Last lediglich von den Kitas auf die Schulen verlagert – ohne das Kernproblem zu lösen.
Bisher existieren die ABC-Kurse nur auf dem Papier. Ohne zusätzliche Lehrkräfte, Räume und Finanzierung könnten Schulen noch stärker damit kämpfen, Kinder mit Sprachverzögerungen zu fördern. Der Erfolg des Vorhabens hängt davon ab, zunächst die bestehenden Engpässe zu beheben.
