Psychotherapeuten in NRW protestieren gegen drohende Honorarkürzungen und Wartezeiten
Philipp SchultePsychotherapeuten in NRW protestieren gegen drohende Honorarkürzungen und Wartezeiten
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Nordrhein-Westfalen (NRW) bereiten sich auf Proteste gegen geplante Honorarkürzungen vor, die an diesem Donnerstag stattfinden sollen. Die Kundgebungen sind in mehreren Großstädten geplant, darunter Köln, Düsseldorf und Dortmund. Die Aktion erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Patientinnen und Patienten in der Region bereits im Schnitt fünf Monate auf einen Ersttermin warten müssen.
Die geplante Senkung der Vergütungssätze für psychotherapeutische Leistungen soll zum 1. April 2026 in Kraft treten. Die Krankenkassen wollen die Honorare um 4,5 Prozent kürzen – eine Entscheidung, die bei Fachleuten auf massive Kritik stößt. Die Psychotherapeutenkammer NRW warnt, dass diese Kürzungen die Versorgung mit psychotherapeutischen Leistungen gefährden könnten.
Besonders betroffen wären Patientinnen und Patienten mit gesetzlicher Krankenversicherung, für die der Zugang zu Therapieplätzen noch schwieriger werden dürfte. Einige Therapeuten könnten auf Privatpatienten ausweichen, bei denen die Einnahmen höher sind. Dies würde die Wartezeiten weiter in die Höhe treiben und ein bereits überlastetes System zusätzlich belasten.
In Deutschland fehlen derzeit rund 7.000 sogenannte Kassensitze – Zulassungen für Psychotherapie im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung. Vor allem ländliche Regionen sind aufgrund veralteter Planungsvorgaben und steigender Nachfrage stark betroffen. Die Übernahme eines solchen Sitzes kann bis zu 50.000 Euro kosten, was die finanzielle Belastung für Therapeuten weiter verschärft.
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten verdienen ohnehin weniger als andere Fachkräfte im Gesundheitswesen, wie das Deutsche Psychotherapeuten Netzwerk (DPNW) betont. Die geplanten Kürzungen könnten diese Ungleichheit noch verstärken und den Beruf in einer Zeit, in der der Bedarf an psychotherapeutischen Leistungen steigt, zusätzlich unattraktiv machen.
Die Proteste unterstreichen die wachsende Überlastung des psychotherapeutischen Versorgungssystems in Deutschland. Angesichts langer Wartezeiten und eines Mangels an zugelassenen Therapeuten könnten die geplanten Honorarkürzungen den Zugang zu Behandlungen weiter erschweren. Die Ergebnisse der Donnerstagsdemonstrationen könnten Einfluss auf künftige Entscheidungen zur Finanzierung und Förderung psychotherapeutischer Leistungen haben.






