RAW-Gelände in Berlin: Kulturoase zwischen Räumungsdrohung und Bauplänen
Julian FrankeRAW-Gelände in Berlin: Kulturoase zwischen Räumungsdrohung und Bauplänen
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes ist in Gefahr – ein Streit zwischen dem privaten Eigentümer und der Stadt entbrennt. Das Areal, einst ein Bahnbetriebswerk der Reichsbahn, beherbergt heute Clubs, Konzertlocations und kulturelle Räume. Sein einzigartiger Charakter genießt breite Unterstützung, doch Baupläne gefährden sein Überleben.
Das RAW-Gelände blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Ursprünglich für die Wartung von Reichsbahn-Zügen genutzt, verfiel es nach dem Mauerfall. Heute finden sich hier ein Biergarten, eine Skatehalle, eine Boulderhalle, Lagerhallen, ein Weihnachtsmarkt und ein Flohmarkt – sowie beliebte Veranstaltungsorte wie der Club Cassiopeia.
Im Januar forderte die Kurth Gruppe, die private Eigentümerin, eine beschleunigte Baugenehmigung für Wohnungsneubauten. Die Stadt reagierte Mitte Mai mit einem Rahmenabkommen, das der Eigentümer jedoch ablehnte. Die Kurth Gruppe warf Berlin daraufhin vor, frühere Zusagen gebrochen zu haben.
Die Senatsverwaltung und der Bezirk bestanden auf weiteren Verhandlungen, um die kulturelle Bedeutung des Geländes zu bewahren. Unterdessen erhielten Mieter Räumungsklagen – teilweise ohne Vorwarnung. Dutzende protestierten auf dem Kurfürstendamm mit Parolen wie „RAW für alle – Cassiopeia & Co. müssen bleiben“. Im Mittelpunkt des Konflikts stehen die Zahl der Neubauten und der Erhalt der historischen Hallen.
Der Streit bleibt ungelöst. Stadt und Eigentümer liegen weiterhin im Clinchen über die Baupläne. Mieter und Kulturschaffende blicken einer ungewissen Zukunft entgegen, während über dem RAW-Gelände die Drohung von Räumungen schwebt.
