16 February 2026, 06:36

Satiriker Jacques Tilly droht Haft: Russlands Prozess gegen Karnevalskunst

Ein großer goldener und roter Festwagen, der mit Blumen und anderen Dekorationsgegenständen geschmückt ist, bei einem Karnevalsumzug mit einem Gebäude, Strommasten mit Drähten und einem bewölkten Himmel im Hintergrund.

Feierwütige, zieht warm an! An Rosenmontag regnet es nicht nur Süßes - Satiriker Jacques Tilly droht Haft: Russlands Prozess gegen Karnevalskunst

Ein Rechtsstreit zwischen russischen Behörden und einem der provokantesten Karnevalskünstler Deutschlands spitzt sich zu. Jacques Tilly, bekannt für seine frechen satirischen Wagen, sieht sich in Moskau wegen angeblicher Verleumdung von Präsident Wladimir Putin und dem russischen Staat mit Anklagen konfrontiert. Unterdessen hat ein kollegiales, herzliches Plädoyer für die Karnevalskultur selbst bei Skeptikern neue Wertschätzung für die Tradition geweckt.

Im Mittelpunkt des Streits stehen Tillys satirische Karnevalsfiguren, die russische Staatsanwälte als Beleidigung für Putin, die Armee und staatliche Institutionen werten. Ein Moskauer Gericht hat den Prozess bereits mehrfach vertagt, zuletzt wegen abwesender Zeugen. Die nächste Verhandlung ist nun für den 26. Februar angesetzt. Tilly, der den Verhandlungen fernbleibt, bestreitet die Vorwürfe und erklärt, er sei nie offiziell informiert worden. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft. Russland hat ihn bereits auf eine internationale Fahndungsliste gesetzt, während Vertreter der deutschen Botschaft den Fall weiter beobachten.

Trotz der Kontroverse bleiben Tillys Werke ein Höhepunkt des diesjährigen Karnevals. Seine Wagen werden beim Düsseldorfer Rosenmontagszug zu sehen sein, einer Veranstaltung, die seit langem mit beißender politischer Satire verbunden ist. Die Wettervorhersage sagt für die Feierlichkeiten jedoch eine Mischung aus Schnee und Regen voraus.

Für eine Autorin hat der Karneval eine persönliche Bedeutung. Aufgewachsen im Münsterland, nahe dem Rheinland, erinnert sie sich an Heimatbräuche wie die Grußformeln 'Festo' und 'DeUnDa'. Ihre Kindheit war geprägt von Besuchen bei satirischen Sitzungen (Büttenabenden) und Rosenmontagszügen. Obwohl sie die Feiern irgendwann leid wurde, hat ein kürzlich von einer Kollegin verfasster 'Liebesbrief an den Karneval' die Nostalgie wieder geweckt. In diesem Jahr wird sie die Veranstaltung jedoch komplett verpassen - ein Dienstreise steht an.

Eine Sammlung von Tillys früheren Entwürfen ist online verfügbar und zeigt Jahrzehnte schlagfertiger, respektloser Kreativität.

Der Prozess gegen Jacques Tilly wird am 26. Februar fortgesetzt - mit möglichen Folgen für die Meinungsfreiheit in der Karnevalskultur. Seine Wagen werden trotzdem durch Düsseldorf rollen, bei Regen oder Sonnenschein, während die Schrift einer Kollegin selbst Kritikern den Zauber der Tradition ins Gedächtnis ruft. Vorerst gehen juristischer Streit und Feierlichkeiten ihren eigenen Weg - getrennt, doch untrennbar miteinander verbunden.

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