30 January 2026, 14:54

Schäffers umstrittenes Kernzeiten-Modell spaltet Politik und Erzieher:innen in NRW

Zwei Kinder in Mänteln und Mützen schieben einen Kinderwagen, im Hintergrund sind Bäume, ein Gebäude und Gras zu sehen.

Lauter Protest gegen Kita-Gesetz - Schäffer setzt auf Dialog - Schäffers umstrittenes Kernzeiten-Modell spaltet Politik und Erzieher:innen in NRW

Verena Schäffer, die neue Ministerin für Kinder und Familie in Nordrhein-Westfalen, hat mit ihrem geplanten Kinderbildungsgesetz (KiBiz) bereits für Aufsehen gesorgt. Nur vier Tage nach Amtsantritt präsentierte sie die Reform – und erntete scharfe Kritik von Erzieher:innen, Oppositionspolitiker:innen und sogar aus Teilen der eigenen Koalition.

Vor dem Landtagsgebäude kam es zu Protesten, als sich rund 300 Beschäftigte versammelten, um gegen die Änderungen zu demonstrieren – insbesondere gegen das umstrittene "Kernzeiten-Modell", das im Zentrum der Pläne steht.

Schäffer, ehemalige Grünen-Politikerin, erlebte bei ihrer ersten Parlamentsrede einen holprigen Start: Sie musste kurz die Rednerbühne verlassen, um nach einem Patzer mit ihren Unterlagen die richtigen Notizen zu holen. Dennoch blieb sie in der Sache entschlossen und verteidigte die zentralen Elemente der Reform, darunter das System aus Kern- und erweiterten Betreuungszeiten. Die Ministerin argumentiert, dieses Modell ermögliche flexiblere Personaleinsätze und komme sowohl Trägern als auch Eltern zugute.

Die Gegenwehr gegen die Pläne ist massiv. Die FDP-Politikerin Yvonne Gebauer kritisierte fehlende klare Vorgaben zu Personalausstattung und Qualitätsstandards – mit der Warnung, dass die Betreuungsqualität in ruhigeren Phasen leiden könnte. SPD-Sprecher Dennis Maelzer erkannte zwar Schäffers Engagement an, mahnte aber, sie dürfe die umstrittensten Aspekte des Gesetzes nicht ignorieren. Der AfD-Abgeordnete Carlo Clemens hingegen behauptete, die verschobene Umsetzung bis 2027 werde die "Stagnation in der Kita-Landschaft" verlängern.

Gebauer unterstellte der Landesregierung zudem, die Reform überstürzt durchpeitschen zu wollen, um das Thema als Wahlkampfthema zu umgehen. Schäffer betont hingegen ihre Dialogbereitschaft mit allen Akteur:innen der frühkindlichen Bildung.

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht das Kernzeiten-Modell, das die Anwesenheit von Fachkräften in Kitas auf nur fünf Stunden täglich begrenzen würde. Die Protestierenden befürchten, dass Kinder und Familien außerhalb dieser Zeiten deutlich weniger Unterstützung erhalten.

Die KiBiz-Reform sieht sich nun mit erheblichen Widerständen konfrontiert – sowohl aus der Politik als auch von Fachleuten aus dem Bereich. Ob Schäffers Bereitschaft zum Gespräch ausreicht, um Bedenken hinsichtlich Personalmangel und Qualitätsstandards zu zerstreuen, bleibt fraglich. Die Debatte wird weitergehen, während der Druck auf die Landesregierung wächst, die wachsende Unzufriedenheit in der Frühpädagogik ernst zu nehmen.

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