Solingen ehrt die vergessenen Liewerfrauen mit neuer Ausstellung und Wanderungen
Lina SchmidtSolingen ehrt die vergessenen Liewerfrauen mit neuer Ausstellung und Wanderungen
Neue Ausstellung in Solingen würdigt die oft vergessenen Liewerfrauen
Eine neue Ausstellung in Solingen rückt die häufig übersehene Arbeit der Liewerfrauen ins Rampenlicht – jener Frauen, die einst schwere Körbe mit Scherenteilen und Messerklingen über die steilen Hügel der Stadt trugen. Die Schau im historischen Lieferkontor nahe dem Gründerzentrum dokumentiert ihren mühevollen Alltag und die zentrale Rolle, die sie in Solingens industrieller Vergangenheit spielten. Nun erweitern die Veranstalter das Angebot mit zusätzlichen Öffnungstagen und geführten Wanderungen entlang der alten Routen der Trägerinnen.
Die Liewerfrauen waren ein einzigartiges Phänomen in der Geschichte Solingens. Während ähnliche Transportdienste in Europa bereits im 19. Jahrhundert verschwanden, verrichteten diese Frauen ihre Arbeit noch bis weit in die 1930er-Jahre. Mit Weidenkörben auf dem Rücken bewältigten sie das unwegsame Gelände, das Werkstätten und Fabriken verband.
Um ihre Geschichte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, haben die Stadt Solingen und der Förderverein des Industriemuseums regelmäßige Öffnungszeiten eingerichtet. Von März bis Oktober wird das Lieferkontor mindestens einmal im Monat geöffnet sein. Zudem führt der lokale Guide Lutz Peters an vier ausgewählten Sonntagen von 11:00 bis 13:00 Uhr durch die Ausstellung. Sollten sich weitere Ehrenamtliche melden, könnten zusätzliche Termine hinzukommen.
Ein besonderes Highlight ist eine geführte Wanderung am 19. April um 13:00 Uhr. Startpunkt ist das Gründerzentrum; von dort aus folgt die Gruppe einem Abschnitt des Liewerfrauenwegs, einem 15 Kilometer langen Rundweg, der wichtige Industriestandorte verbindet. Da nur 20 Plätze verfügbar sind, ist eine Anmeldung erforderlich.
Für das Jahr 2026 hat das städtische Marketingteam bereits fünf verlängerte Öffnungstage zugesagt, jeweils von 10:00 bis 14:00 Uhr. Langfristig soll es von April bis Oktober monatliche Sonntagsöffnungen geben, um das Lieferkontor – eines von mehreren Standorten des LVR-Industriemuseums – für Wanderer und Geschichtsinteressierte dauerhaft zugänglich zu machen.
Der Liewerfrauenweg selbst schlängelt sich durch Wipperkotten und andere historische Stätten und folgt den ursprünglichen Lieferrouten der Frauen. Zum Museumsverbund gehören neben dem Lieferkontor auch Orte wie die Gesenkschmiede Hendrichs, wobei die Öffnungszeiten der einzelnen Standorte variieren.
Die erweiterten Öffnungszeiten und Führungen bieten Besuchern die Möglichkeit, Solingens industrielles Erbe hautnah zu erleben. Die Ausstellung über die Liewerfrauen in Kombination mit dem Wanderweg schafft eine greifbare Verbindung zu ihrem entbehrungsreichen Alltag und der Stadtgeschichte. Die Veranstalter hoffen, dass die Initiative weitere Freiwillige motiviert, sich für die zukünftige Öffnung des Lieferkontors zu engagieren.






