Thüringen kämpft mit Pilotprojekt gegen digitale sexualisierte Gewalt bei Jugendlichen
Lina SchmidtThüringen kämpft mit Pilotprojekt gegen digitale sexualisierte Gewalt bei Jugendlichen
Einzigartiges Pilotprojekt in Thüringen: Drei Jahre Kampf gegen digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen
In den vergangenen drei Jahren hat ein einzigartiges Pilotprojekt in Thüringen digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen bekämpft. Finanziert von der Landesbeauftragten für den Kinderschutz, erreichte die Initiative rund 5.000 Schülerinnen und Schüler durch Workshops unter der Leitung der Expertin Yasmina Ramdani. Das Programm kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Studien zeigen, dass fast die Hälfte der jungen Menschen mit sexualisierter Belästigung im Netz konfrontiert ist.
Zwischen 2022 und 2025 besuchte Yasmina Ramdani Schulen in ganz Thüringen, um Fünft- bis Achtklässler über digitale sexualisierte Gewalt aufzuklären. Mit einem Bingo-Spiel regte sie Gespräche über die Erfahrungen der Jugendlichen mit Apps an und erklärte zentrale Begriffe wie Cybergrooming. Dieser Ansatz half, komplexe Themen auf verständliche Weise zu vermitteln.
Der Bedarf an solcher Präventionsarbeit ist offensichtlich. Daten des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit zeigen, dass fast jede zweite junge Person im Internet mit sexualisierter Gewalt konfrontiert wird. Eine Studie aus dem Jahr 2025 ergab zudem, dass fast ein Viertel der Minderjährigen bereits Cybergrooming erlebt hat – also Situationen, in denen Täter über Chats Vertrauen aufbauen, um später Missbrauch zu begehen. Viele Vorfälle geschehen auch innerhalb von Freundes- oder Klassengruppen, oft aufgrund von Naivität und mangelnder digitaler Kompetenz.
Lehrkräfte erkennen zwar die Wichtigkeit, diese Themen anzusprechen, fühlen sich aber häufig überfordert. Fachleute betonen, dass Investitionen in frühzeitige Prävention langfristig günstiger sind als die Bewältigung der Folgen digitaler Gewalt. Das Thüringer Projekt bleibt bundesweit einzigartig – ob ähnliche Programme anderswo eingeführt werden, ist bisher nicht bekannt.
Das öffentliche Bewusstsein für digitale Gewalt ist in den letzten Jahren gewachsen, nicht zuletzt durch prominente Fälle wie die Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, Christian Ulmen. Der Fall zeigte, wie digitale Plattformen für anhaltenden Missbrauch genutzt werden können, und unterstreicht die Notwendigkeit von Aufklärung und offenen Gesprächen.
Das Thüringer Pilotprojekt hat Tausende Schülerinnen und Schüler befähigt, digitale sexualisierte Gewalt zu erkennen und darauf zu reagieren. Eltern und Schulen werden nun aufgefordert, über Grenzen zu sprechen und verantwortungsvolles Verhalten im Netz vorzuleben. Ohne eine flächendeckende Einführung solcher Programme bleiben junge Menschen einer wachsenden, aber oft unterschätzten Gefahr ausgesetzt.






