15 February 2026, 08:49

Ulms Narren stürmen das Rathaus – ein Faschingsbrauchtum mit mittelalterlichen Wurzeln

Ein aufgeschlagenes Buch mit einer Zeichnung von tanzenden Menschen in bunten Kostümen unter einem hellblauen Himmel mit weißen Wolken, mit dem Text "Les Vendredières de Magic City" auf der linken Seite.

Ulms Narren stürmen das Rathaus – ein Faschingsbrauchtum mit mittelalterlichen Wurzeln

Ulms Rathaus fiel während des Faschings in die Hände der Narren – ein fester Bestandteil der "fünften Jahreszeit"

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Zum traditionellen Faschingsauftakt, dem Weiberfasching, übernahmen die Ulmer Narren symbolisch die Macht im Rathaus. Oberbürgermeister Martin Ansbacher und Neu-Ulms Bürgermeisterin Katrin Albsteiger schlüpften dafür in Kostüme – einer als "Super Martin", die andere als Prinzessin Peach – und verteidigten ihre Ämter in einem scherzhaften Kräftemessen. Das Spektakel markierte erneut den spielerischen "Staatsstreich" der Ulmer Faschingsgesellschaft.

Der Fasching in Ulm blickt auf eine jahrhundertealte Tradition zurück, die bis ins Mittelalter reicht. Ursprünglich mit Winteraustreibungsriten und Rollentausch verbunden, entwickelte er sich im Laufe der Zeit zu einem strukturierten Fest mit Umzügen, Bällen und der symbolischen Erstürmung des Rathauses. Jahr für Jahr übernehmen die Ulmer Narren an Weiberfasching für kurze Zeit das Kommando – ein humorvoller Machtwechsel, der fest zum Brauchtum gehört.

In diesem Jahr leisteten die Bürgermeister:innen erbitterten Widerstand. In aufwendigen Kostümen traten Ansbacher und Albsteiger zu Limbo-Wettkämpfen an, bauten Menschenpyramiden und mussten sich den schlagfertigen Fragen der Narren stellen. Doch die Tradition ließ ihnen keine Chance: Am Ende mussten sie sich geschlagen geben. Die Stadtverwaltung spielte mit und überließ den Narren im Rahmen des faschächtlichen Treibens symbolisch das Rathaus.

Das Ereignis zeigt, wie tief der Fasching in Ulm verwurzelt ist – eine Mischung aus historischem Symbolgehalt und moderner Festkultur. Zwar gibt es keine genauen Aufzeichnungen über den Ursprung des Brauchs, doch seine mittelalterlichen Wurzeln prägen bis heute die lokale Identität.

Mit der "Niederlage" der Bürgermeister:innen ging das Rathaus für die Dauer des Faschings in die Hände der Ulmer Narren über. Die vorübergehende Machtübernahme unterstreicht Ulms Engagement für die Bewahrung seines festlichen Erbes. Die Faschingsfeiern gehen derweil mit Umzügen und öffentlichen Veranstaltungen in der ganzen Stadt weiter.