22 April 2026, 04:16

Verbotene Kosmetik: Warum gefährliche Produkte trotz EU-Regeln online erhältlich bleiben

Rotes und gelbes Schild mit der Aufschrift "Organisches Peroxid 5.2", das eine gefährliche Substanz anzeigt.

Verbotene Kosmetik: Warum gefährliche Produkte trotz EU-Regeln online erhältlich bleiben

Trotz strenger EU-Vorschriften werden verbotene Kosmetikprodukte in Europa weiterhin online verkauft. Eine Untersuchung des Recherchezentrums CORRECTIV förderte drei verbotene Artikel zutage, darunter auch Produkte bekannter Marken wie Nivea und Schwarzkopf. Der Fall zeigt, dass es bei der Durchsetzung der Regeln weiterhin erhebliche Lücken gibt – obwohl Behörden jährlich Tausende unsichere Produkte vom Markt nehmen.

Mitte März 2023 erwarb CORRECTIV bei einem Online-Händler eine Tube Schwarzkopf-Glitzer-Haargel, das den Stoff Lilial (BMHCA) enthielt. Dieses Duftstoff-Derivat ist in der EU seit über vier Jahren verboten, da es die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann. Zudem wurde auf Amazon ein Nivea-Rasier Schaum mit demselben verbotenen Inhaltsstoff gekauft.

In den letzten zehn Jahren hat die EU bereits mehr als 4.000 Kosmetikprodukte aus dem Verkehr gezogen. Doch allein 2025 deckte eine Überprüfung von 1,6 Millionen Websites über 20.000 illegale Artikel auf – darunter auch Kosmetika. Andere gefährliche Substanzen wie PFAS ("Ewigkeitschemikalien") oder Hydrochinon, ein wahrscheinlich krebserregender Hautaufheller, wurden ebenfalls in gemeldeten Produkten nachgewiesen.

Trotz dieser Bemühungen erfasst das EU-Alarmsystem Safety Gate nur einen Bruchteil der schädlichen Waren. Die Behörden können lediglich eine begrenzte Anzahl von Proben prüfen, sodass viele unsichere Produkte unentdeckt bleiben. Gleichzeitig bringen Unternehmen täglich rund 800 neue Kosmetikartikel auf den Markt – aktuell sind etwa 600.000 Produkte erhältlich.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Am 15. April 2026 stimmt das Europäische Parlament über die "Chemicals-Omnibus"-Novelle ab. Sollte sie verabschiedet werden, könnte sie die zulässige Verkaufsfrist für verbotene Produkte verlängern – und deren Entfernung damit verzögern.

Die Untersuchung zeigt: Trotz EU-weiter Beschränkungen sind verbotene Kosmetika für Verbraucher weiterhin zugänglich. Angesichts Tausender Neuprodukte pro Jahr kommt die Kontrolle kaum nach. Die anstehende Abstimmung über schärfere Regelungen wird entscheiden, wie schnell gefährliche Artikel künftig vom Markt verschwinden.

Quelle