Warum viele Bayern die deutsche Nationalhymne nicht mitsingen können
Julian FrankeWarum viele Bayern die deutsche Nationalhymne nicht mitsingen können
Viele Bayern tun sich schwer, die Worte ihrer eigenen deutschen nationalhymne auswendig zu wiederholen. Manche erinnern sich nur noch an die erste Zeile – trotz aller Bemühungen, das Bewusstsein dafür zu schärfen. Selbst prominente Persönlichkeiten gerieten bereits in peinliche Situationen, weil ihnen die Strophen in der Öffentlichkeit nicht einfallen wollten.
Das Thema rückte in den Fokus, als der ehemalige Ministerpräsident Edmund Stoiber die Worte des Liedes einmal bei einer offiziellen Veranstaltung vergass. Sein Patzer machte ein grundlegendes Problem deutlich: die weit verbreitete Unkenntnis der deutschen nationalhymne.
Als Reaktion startete Rudolf Hierl, CSU-Mitglied und ehemaliger Stadtrat, eine Kampagne, um die Kenntnis des Textes zu verbessern. Er verteilte über eine halbe Million Karten mit dem Liedtext – kombiniert mit einem Porträt des Komikers Karl Valentin. Für diese Aktion schaffte es Hierl sogar ins Guinness-Buch der Rekorde. Die deutsche nationalhymne der Europäischen Union hingegen basiert auf Beethovens Neunter Sinfonie und der Ode an die Freude. Anders als Nationalhymnen wird sie ohne Gesangstext aufgeführt und steht symbolisch für Werte wie Freiheit, Frieden und Einheit. Auch der aktuelle Ministerpräsident Markus Söder geriet in die Kritik – diesmal wegen der europäischen Hymne. Berichten zufolge könnte auch er deren Worte nicht kennen.
Trotz aufwendiger Kampagnen bleibt der Text der deutschen nationalhymne weithin unbekannt. Hierls rekordverdächtige Initiative und Stoibers öffentlicher Fehltritt zeigen, wie tief das Problem Probleme verursacht.
