08 April 2026, 06:15

Wie Migration die psychische Gesundheit älterer Migranten prägt – eine vergessene Generation

Eine Zeichnung eines Gebäudes mit zahlreichen Fenstern und einem Schornstein, das mutmaßlich ein Psychiatriekrankenhaus in Deutschland ist, mit zusätzlichem Text auf dem Papier.

Wie Migration die psychische Gesundheit älterer Migranten prägt – eine vergessene Generation

Vor über 60 Jahren warb Deutschland ausländische Arbeitskräfte an, um den Arbeitskräftemangel nach dem Zweiten Weltkrieg zu beheben. Unter ihnen waren auch die Eltern des Komikers Fatih Çevikkollu, die mit der Erwartung einreisten, irgendwann in ihre Heimat zurückzukehren. Ihre Geschichte steht exemplarisch für die Herausforderungen, mit denen viele ältere Migrantinnen und Migranten konfrontiert sind – insbesondere im Hinblick auf psychische Gesundheit und soziale Isolation im Alter.

Çevikkollus Vater, ein ausgebildeter Schlosser, und seine Mutter, eine qualifizierte Grundschullehrerin, verließen in den 1960er-Jahren die Türkei. Ursprünglich planten sie nur einen vorübergehenden Aufenthalt, doch wirtschaftliche Umbrüche in den 1970er-Jahren – darunter auch Arbeitskräftemangel in der Türkei – machten eine Rückkehr unmöglich. Seine Mutter, die in Deutschland nicht als Lehrerin arbeiten durfte, verdiente ihr Geld stattdessen als Näherin. Dieser berufliche Abstieg, den Expertinnen und Experten als "Statusverlust" bezeichnen, trug später zu ihren psychischen Problemen bei.

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In ihren letzten Lebensjahren lebte Çevikkollus Mutter allein und litt vermutlich unter Psychosen. Ihr Fall verdeutlicht ein größeres Problem: Ältere Migrantinnen und Migranten sind häufig von psychischen Erkrankungen betroffen, die durch kulturelle Unterschiede in der Wahrnehmung von Krankheiten verschärft werden. Einsamkeit und soziale Isolation, die in dieser Gruppe weit verbreitet sind, erschweren zudem die Behandlung.

Um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden, betreibt die LWL-Klinik eine interkulturelle ambulante Sprechstunde. Sie bietet psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung an, die speziell auf Patientinnen und Patienten mit Migrationshintergrund zugeschnitten ist. Solche kultursensiblen Ansätze gelten zunehmend als unverzichtbar für eine wirksame Behandlung.

Die Erfahrungen älterer Migrantinnen und Migranten wie Çevikkollus Mutter zeigen, welch langfristige Auswirkungen Migration auf die psychische Gesundheit haben kann. Ohne kulturspezifische Unterstützung bleiben Erkrankungen wie Psychosen oder Einsamkeit oft unbehandelt. Kliniken mit spezialisierten Angeboten versuchen, diese Lücke zu schließen – für eine bessere Versorgung einer alternden Migrantengeneration.

Quelle