Willich gedenkt NS-Opfern mit Schülerinitiative und musikalischer Reflexion
Philipp SchulteWillich gedenkt NS-Opfern mit Schülerinitiative und musikalischer Reflexion
2018 veranstaltete Willich eine Gedenkfeier, um der lokalen Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Die Initiative ging auf Bürgermeister Herbert Sarre sowie die Robert-Schuman-Europaschule zurück. Schülerinnen und Schüler spielten eine zentrale Rolle bei der Organisation der Veranstaltung, die Reflexion, Musik und Bildung verband, um die Vergangenheit zu würdigen und aktuelle Herausforderungen zu thematisieren.
Die Feier begann in der Schneekapelle mit einem von Religionslehrer Pierre Hein geleiteten Gebetsgottesdienst. Im Mittelpunkt stand das Gleichnis vom barmherzigen Samariter aus dem Lukasevangelium, das einen Ton der Mitmenschlichkeit und moralischen Verantwortung setzte. Eröffnet wurde der Gottesdienst mit Klavierstücken wie Mad World von Tears for Fears und Hallelujah von Leonard Cohen.
Anschließend versammelten sich die Teilnehmer am Holocaust-Mahnmal zu einer Kranzniederlegung. Die Veranstaltung setzte sich im Pädagogischen Zentrum der Schule fort, wo Schüler der 10. und 13. Klasse Informationsausstellungen vorbereitet hatten. Die Roll-up-Präsentationen schilderten das Leben und Schicksal der jüdischen Männer, Frauen und Kinder aus Willich, die während der NS-Zeit ermordet wurden. Ein musikalischer Höhepunkt war Marc Riedls Klavierinterpretation von Bodo Wartkes Das Land, in dem ich leben will. Es folgten Reden, darunter eine der Schulleiterin Andrea Großkraumbach, die die Bedeutung von Bildung für die Bewahrung demokratischer Werte betonte und vor wachsendem Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit warnte. Bürgermeister Christian Pakusch verurteilte Versuche rechtsextremer Politiker, den Holocaust zu verharmlosen, und äußerte sich besorgt über aktuelle politische Entwicklungen in den USA. Max Mamrotski, Vertreter der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, verband die Befreiung von Auschwitz-Birkenau mit dem heutigen Anstieg antisemitischer Vorfälle und rief junge Menschen dazu auf, sich aktiv gegen Hass und Diskriminierung einzusetzen. Die Veranstaltung zog ein breites Publikum an, darunter Politiker, Kirchenvertreter und lokale Verwaltungsmitarbeiter.
Die Gedenkinitiative in Willich verband Musik, Bildung und öffentliche Reflexion, um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Organisiert von Schülerinnen und Schülern und unterstützt von lokalen Verantwortungsträgern, diente die Veranstaltung zugleich als Appell gegen heutige Vorurteile. Die Teilnehmer gingen mit einem vertieften Verständnis für die Lehren der Geschichte und der fortwährenden Notwendigkeit nach, Intoleranz entgegenzutreten.
