ABC-Kurse in NRW: Warum der Förderplan für Kinder auf Widerstand stößt
Lina SchmidtABC-Kurse in NRW: Warum der Förderplan für Kinder auf Widerstand stößt
Ein neuer Vorschlag für ABC-Kurse in Nordrhein-Westfalen stößt auf scharfe Kritik von lokalen Politikern und Fachleuten aus der frühkindlichen Betreuung. Der Plan, der 2026 im Landtag beraten werden soll, zielt darauf ab, die frühen Sprachkompetenzen von Kindern zu fördern – doch viele befürchten, dass er mehr Schaden als Nutzen anrichten könnte. Zu den Bedenken gehören Störungen der gewohnten Tagesabläufe der Kinder sowie unklare Regelungen, wie das Modell mit den bestehenden Förderstrukturen zusammenwirken soll.
Die ABC-Kurs-Initiative, die im Schuljahr 2028/29 starten soll, sieht vor, dass Kinder mit zusätzlichem Sprachförderbedarf ihre regulären Kita-Gruppen für spezielle Förderstunden verlassen müssten. Allerdings gibt es bisher keine praktischen Erfahrungen mit diesem Modell, da es sich noch in der Planungsphase befindet. Kritiker, darunter Vertreter von CDU und Grünen in Solingen, warnen, dass das Herauslösen der Kinder aus vertrauten Umfeldern ihre Lernfortschritte behindern und zu Stigmatisierung führen könnte. Die lokale Politikerin Maja Wehrmann betonte, dass die Trennung von der Gruppe vertraute Beziehungen gefährde – genau jene Bindungen, die für die Sprachentwicklung entscheidend seien.
Simone Lammert wies auf ein weiteres zentrales Problem hin: die Gefahr, ein paralleles Fördersystem zu schaffen, statt die bestehenden Strukturen zu stärken. Die Expertin für frühkindliche Bildung, Jessica Schliewe, pflichtete ihr bei und argumentierte, dass Sprachkompetenzen am besten im alltäglichen Kita-Alltag und nicht in separaten Kursen gefördert würden. Lokale Akteure monieren zudem, dass ohne klare Vorgaben zur Einbindung der ABC-Kurse in die aktuellen Rahmenbedingungen eine verlässliche Planung unmöglich sei.
Trotz der Kritik unterstützen sowohl CDU als auch Grüne das übergeordnete Ziel, die frühe Sprachförderung zu verbessern. Sie fordern jedoch, den Fokus auf die Stärkung der bestehenden Kita-Systeme zu legen, statt unausgereifte Modelle einzuführen. Immer mehr Stimmen verlangen eine engere Abstimmung zwischen Land und Kommunen, um den Vorschlag vor der Umsetzung grundlegend zu überarbeiten.
Der ABC-Kurs-Plan soll im März 2026 in den Landtag eingebracht werden, die verbindliche Teilnahme ist ab 2029 vorgesehen. Doch ohne Nachbesserungen, so die Kritiker, drohten unnötige Belastungen für Kinder und Kita-Träger. Die Debatte kreist nun um die Frage, ob das Land den Entwurf überarbeiten wird – oder ihn trotz aller Bedenken durchsetzen wird.






