BP beschleunigt Umstrukturierung und profitiert von Rekord-Ölpreisen über 110 Dollar
Anton MeyerBP beschleunigt Umstrukturierung und profitiert von Rekord-Ölpreisen über 110 Dollar
BP treibt seine umfangreiche Umstrukturierung voran, während die Ölpreise steigen und globale Lieferketten unter Druck geraten. Das Unternehmen hat sein Sparziel auf 6,5 bis 7,5 Milliarden US-Dollar bis 2027 erhöht, um die langfristige Liquidität zu sichern. Unterdessen ist der Preis für Brent-Rohöl auf etwa 112 US-Dollar pro Barrel geklettert, nachdem Blockaden in der Straße von Hormus fast ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggas-Transporte zum Erliegen gebracht hatten.
Der Energieriese beschleunigt seine interne Neuaufstellung, während die Ölpreise auf hohem Niveau verharren. Teil dieser Strategie ist der Verkauf der Raffinerie in Gelsenkirchen an die Klesch Group – ein Deal, der rund 1.800 Mitarbeiter überführt und eine Anlage mit einer Kapazität von 12 Millionen Tonnen pro Jahr aus dem Portfolio nimmt. Analysten der HSBC reagierten darauf mit einer Hochstufung der BP-Aktie von "Reduzieren" auf "Halten" und erhöhten das Kursziel. Als Begründung nannten sie die mögliche Entlastung von bis zu 1,7 Milliarden US-Dollar an Verbindlichkeiten, die mit der Raffinerie verbunden sind.
BP hat sich zudem zum Ziel gesetzt, bis 2027 Vermögenswerte im Wert von 20 Milliarden US-Dollar zu veräußern – mehr als die Hälfte davon ist bereits gesichert. Diese Schritte fallen mit einem neuen 52-Wochen-Hoch der Marktkapitalisierung des Unternehmens zusammen, angetrieben durch steigende Ölpreise und das Vertrauen der Anleger in die strategische Ausrichtung. Auch europäische Öl- und Gaswerte legten kräftig zu und verzeichneten bis Mitte März 2026 ein Plus von 31,06 Prozent seit Jahresbeginn.
Unterdessen haben sich in den USA die Spannungen in den Lieferketten leicht entspannt, nachdem die Regierung eine 60-tägige Ausnahmegenehmigung vom Jones Act erteilt hatte. Diese erlaubt ausländischen Schiffen, Waren zwischen heimischen Häfen zu transportieren. BP selbst sieht sich jedoch mit operativen Herausforderungen konfrontiert: Rund 800 gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte der Whiting-Raffinerie in Indiana wurden nach gescheiterten Tarifverhandlungen ausgesperrt. Dennoch betont die Unternehmensführung, dass die Produktion nicht spürbar beeinträchtigt werde.
Die Restrukturierungsbemühungen von BP gewinnen an Fahrt, während das Unternehmen Vermögenswerte veräußert, Kosten senkt und von den hohen Ölpreisen profitiert. Der Verkauf der deutschen Raffinerie und die Fortschritte bei den Desinvestitionszielen haben die finanzielle Perspektive bereits verbessert. Angesichts der angespannten Lage auf den globalen Energiemärkten wird sich BP voraussichtlich darauf konzentrieren, inmitten anhaltender Volatilität Stabilität zu wahren.






