Riesige Wasserleitung soll Rheinwasser in ehemalige Kohlegruben leiten – doch Kritik wächst
Lina SchmidtRiesige Wasserleitung soll Rheinwasser in ehemalige Kohlegruben leiten – doch Kritik wächst
Großes Wasserleitungsprojekt in Nordrhein-Westfalen gestartet – ein Meilenstein bei der Umwandlung ehemaliger Kohlegruben in Seen
In Nordrhein-Westfalen hat ein bedeutendes Wasserleitungsprojekt begonnen, das einen zentralen Schritt bei der Transformation ehemaliger Braunkohletagebaue in künstliche Seen markiert. Die 45 Kilometer lange Pipeline soll Rheinwasser in den Tagebau Hambach leiten, wo ab 2030 mit der Flutung begonnen werden soll. Doch über die langfristigen Folgen des Vorhabens sind Behörden und Umweltschützer uneins.
Die Baustelle erhielt im Januar 2026 die Genehmigung für Errichtung und Betrieb von der Bezirksregierung Arnsberg. Das Verfahren für die wasserrechtliche Erlaubnis zum Einleiten des Wassers startet jedoch erst in diesem Herbst; mit einer endgültigen Entscheidung wird bis Jahresende gerechnet. Sobald die Leitung in Betrieb geht, wird sie – bestehend aus 10.000 Rohren, von denen einige einen Durchmesser von bis zu 2,2 Metern haben – die Tagebaue Hambach, Garzweiler und Inden mit Wasser versorgen.
Elsdorfs Bürgermeister Andreas Heller bezeichnete den Spatenstich als "Meilenstein für den Strukturwandel in der Region". Er prognostizierte, dass der künftige "Elsdorfer See" der Stadt mehr Sichtbarkeit und wirtschaftliche Impulse bringen werde. RWE-Vorstand Lars Kulik teilte diese Zuversicht und beschrieb die Pipeline als Symbol für Verlässlichkeit und zukünftige Chancen – etwa im Tourismus, bei Arbeitsplätzen und der Entstehung neuer Feuchtgebiete.
Doch die Kritik bleibt. Umweltverbände wie der BUND und die Initiative Alle Dörfer bleiben stellen die Wasserqualität infrage und warnen vor möglichen Giftstoffen in den gefluteten Gruben. Andreas Büttgen von der Bürgerinitiative Bürger für Bürger fürchtet, RWE könnte sich aus dem Projekt zurückziehen und die Steuerzahler mit den langfristigen Kosten alleinlassen. Zudem sorgt Microsofts neues Hyperscale-Rechenzentrum in der Region für zusätzliche Bedenken: Die Anlage wird enorme Wassermengen zur Kühlung benötigen und verschärft damit die Diskussion um Wasserknappheit.
Die Flutung des Tagebaus Hambach soll 2030 beginnen, gefolgt von Garzweiler und Inden im Jahr 2036. Die Fertigstellung der Pipeline hängt jedoch noch von der ausstehenden wasserrechtlichen Genehmigung ab. Die Überwachung und Aufbereitung des Rheinwassers bleiben zentrale Herausforderungen. Ob das Projekt gelingt oder scheitert, wird die ökologische und wirtschaftliche Zukunft der Region für Jahrzehnte prägen.






