Deutschlands Schienennetz am Limit: Warum Bahnfahren in NRW zum Geduldsspiel wird
Philipp SchulteDeutschlands Schienennetz am Limit: Warum Bahnfahren in NRW zum Geduldsspiel wird
Deutschlands Schienennetz steht vor schweren Belastungsproben – mit weitverbreiteten Verspätungen und überfüllten Zügen, die den Fahrgästen das Reisen erschweren. Besonders in Nordrhein-Westfalen sorgen anhaltende Bauarbeiten und unabgeschlossene Sanierungen dafür, dass wichtige Strecken wie die Verbindung Köln–Hagen komplett ohne Fern- und S-Bahn-Verkehr auskommen müssen.
Die Deutsche Bahn (DB) führt das anhaltende Chaos auf marode Infrastruktur zurück. Das Unternehmen räumt ein, dass Teile des Netzes überlastet seien, lehnt aber Forderungen nach einer Reduzierung des Angebots ab. Doch keiner der geplanten Korridor-Sanierungen in Nordrhein-Westfalen ist bisher abgeschlossen. Während die Hochleistungsstrecke Hamburg–Berlin bis Ende 2025 fertiggestellt wurde, begann die intensive Bauphase auf der Strecke Hagen–Wuppertal–Köln erst im Februar 2026 – und bis März 2026 gab es keine Fortschritte zu vermelden.
Fachleute kritisieren, dass das Netz nicht im gleichen Maße ausgebaut wurde wie die Nachfrage stieg, was zu Überlastung und Pünktlichkeitsproblemen führe. Einige schlagen vor, den Fahrplan auszu dünnen, etwa durch Streichungen im Regionalverkehr, um die Belastung zu verringern. Der Bahnexperte Christian Böttger widerspricht jedoch der Darstellung der DB, wonach Infrastrukturpannen allein für die Verspätungen verantwortlich seien.
Hinzu kommt ein Mangel an Abnahmeprüfern, der die Wiederinbetriebnahme sanierter Strecken verzögert. Dadurch verlängern sich Ersatzbusverkehre, und die Einschränkungen ziehen sich weiter hin. Parallel modernisiert die DB derzeit zehn Korridore in Nordrhein-Westfalen; acht weitere Aufwertungen sind in den kommenden Jahren geplant.
Der Bundesrechnungshof hat das Management der DB und die Untätigkeit der Politik scharf kritisiert. NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) bezeichnete das Schienennetz seines Bundeslandes gar als das "schlechteste Deutschlands".
Auf Strecken wie Köln–Hagen fallen derzeit wegen der Bauarbeiten am Bahnhof Wuppertal-Barmen sowohl Fern- als auch S-Bahn-Verbindungen aus. Da die Reparaturen hinter dem Zeitplan liegen und keine schnellen Lösungen in Sicht sind, dürften sich Verspätungen und Ausfälle weiter häufen. Die Situation offenbart grundlegende strukturelle Probleme der deutschen Bahninfrastruktur – und ihre wachsende Überforderung angesichts steigender Fahrgastzahlen.






