Energiewende im Kompromiss: Bund lockert Effizienzregeln für Rechenzentren drastisch
Anton MeyerEnergiewende im Kompromiss: Bund lockert Effizienzregeln für Rechenzentren drastisch
Der Bundeskabinett hat Lockerungen des Energieeffizienzgesetzes beschlossen. Die Änderungen verlängern Fristen für Betreiber von Rechenzentren und reduzieren einige ihrer Verpflichtungen. Wirtschaftsverbände und Umweltschützer reagieren mit gemischten Reaktionen.
Nach dem ursprünglichen Gesetz mussten Behörden und Unternehmen ihren Energieverbrauch und -abfall senken. Rechenzentren unterlagen besonders strengen Auflagen, da sie einen hohen Strombedarf haben und Abwärme erzeugen.
Die Reformen gewähren den Betreibern nun vier statt zwei Jahre, um Effizienzziele zu erreichen. Zudem haben sie bis 2030 Zeit, ihren Stromverbrauch vollständig durch erneuerbare Energien auszugleichen. Die Pflicht zur Nutzung von Abwärme entfällt, es sei denn, es existiert ein lokales Fernwärmenetz.
Auch die Schwelle für verpflichtende Energie- oder Umweltmanagementsysteme wurde angehoben. Nur noch Unternehmen mit einem jährlichen Verbrauch von mindestens 23,6 Gigawattstunden müssen die Vorgaben erfüllen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie begründete die Änderungen mit dem Ziel, Bürokratie abzubauen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Peter Adrian vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bezeichnete die Reformen als „deutliche Entlastung“ für die Wirtschaft. Linda Klapdor von Greenpeace kritisierte den Schritt und warnte vor möglichen Schlupflöchern für Tech-Konzerne und steigenden Emissionen. Kilian Vieth-Ditlmann von AlgorithmWatch sprach von einer „Kapitulation vor den Tech-Giganten“ mit potenziell gravierenden ökologischen und wirtschaftlichen Folgen.
