Erste Atommüll-Transporte aus Jülich rollen trotz Protesten nach Ahaus
Lina SchmidtErste Atommüll-Transporte aus Jülich rollen trotz Protesten nach Ahaus
Die ersten Transporte von radioaktivem Abfall aus dem stillgelegten Forschungsreaktor des Jülicher Forschungszentrums werden bald nach Ahaus aufbrechen. Dies markiert den neuesten Schritt in einem seit langem schwelenden Streit um die Lagerung und den Transport von nuklearem Material. Trotz des Widerstands der Stadt und von Aktivisten werden die Verbringungen nach einem Plan durchgeführt, der seit über einem Jahrzehnt umstritten ist.
Der Versuchsreaktor in Jülich wurde bereits 1988 abgeschaltet, doch sein Erbe ist bis heute ungelöst. Von den geplanten 360 Castor-Behältern mit radioaktivem Abfall werden vorerst nur etwa 94 in den kommenden Jahren Ahaus verlassen. Der Rest bleibt vorerst dort – auf unbestimmte Zeit. Die Behörden prüfen derzeit Alternativen wie Gorleben, das Endlager Konrad oder mögliche neue Standorte in der Nähe von Jülich oder der Schachtanlage Asse.
Das Zwischenlager in Ahaus betrieben seit 2013 ohne gültige Genehmigung. Die aktuelle Betriebserlaubnis läuft zwar noch bis 2036, doch alle 152 Behälter sollen in mehr als 50 separaten Transporten dorthin verbracht werden. Sowohl die Stadt Ahaus als auch Anti-Atomkraft-Initiativen haben wiederholt versucht, diese Transporte zu stoppen – doch rechtliche und politische Klagen blieben bisher erfolglos.
Das Forschungszentrum Jülich selbst beschäftigt sich unterdessen längst nicht mehr mit nuklearem Abfall. Sein Fokus liegt mittlerweile vollständig auf der Quantencomputer-Forschung. Die Einrichtung wehrt sich zudem gegen Forderungen, den Atommüll länger als nötig auf dem eigenen Gelände zu lagern.
Die gesamte deutsche Strategie zur Entsorgung von Atomabfällen bleibt unsicher. Eine dauerhafte unterirdische Lagerung wird frühestens in den 2070er-Jahren erwartet. Während das Land die Debatte über Kernenergie wiederaufnimmt – diesmal mit dem Schwerpunkt auf kleinen modularen Reaktoren –, sorgt der Umgang mit dem bestehenden Abfall weiterhin für Kontroversen.
Die anstehenden Transporte sollen bereits nächste Woche beginnen und bringen Abfall auf den Weg, der jahrelang in rechtlichem und politischem Schwebezustand feststeckte. Ohne eine langfristige Lösung werden die Behälter entweder in Ahaus verbleiben oder auf andere Zwischenlager verteilt. Der Vorgang unterstreicht die anhaltenden Herausforderungen bei der Bewältigung des deutschen nuklearen Erbes.






