Frauenfeindlichkeit im Netz: Wie die "Männlichkeitsszene" junge Männer radikalisiert
Lina SchmidtFrauenfeindlichkeit im Netz: Wie die "Männlichkeitsszene" junge Männer radikalisiert
Frauenfeindlichkeit breitet sich rasant in sozialen Medien aus – toxische Einstellungen gegenüber Frauen gewinnen in digitalen Räumen an Zuspruch. Influencer in der sogenannten "Männlichkeitsszene" (engl. "manosphere") verbreiten extreme Ansichten, darunter die Forderung, Frauen solle das Wahlrecht entzogen werden. Gleichzeitig entziehen sich mächtige Männer weiterhin der Verantwortung für missbräuchliches Verhalten und zementieren so eine Kultur ungestrafter Sexismus.
Die "Männlichkeitsszene" hat ihren Einfluss vor allem unter jungen Männern ausgebaut, die sich politisch ignoriert fühlen. Indem sie ein Gefühl der Zugehörigkeit vermittelt, zieht diese Online-Bewegung enttäuschte Jugendliche in ihren Bann – mit der Folge, dass deren Unterstützung zu rechtsextremen Parteien wie der deutschen AfD oder zu Figuren wie Donald Trump wandert. Viele dieser Influencer predigen eine übersteigerte Männlichkeit, verzerren Geschlechterrollen und schüren Feindseligkeit gegenüber Frauen.
Beleidigungen und frauenfeindliche Schimpfwörter überschwemmen mittlerweile Kommentarspalten – oft auf Zustimmung statt auf Ablehnung stoßend. Die #MeToo-Bewegung, die einst solches Verhalten infrage stellte, hat an Schwung verloren, was viele Männer erleichtert zurücklässt: Die öffentliche Auseinandersetzung mit Sexismus ebbt ab. In Arbeitswelt und Öffentlichkeit behandeln Männer in Führungspositionen Frauen nach wie vor herablassend, machen sexualisierte Sprüche oder ignorieren deren Beiträge.
Die schlimmsten Täter nutzen ihre Macht, um toxische Normen zu festigen. Sie verbreiten schädliche Ideologien – online wie offline – und sorgen dafür, dass sexistische Einstellungen tief verankert bleiben. Trotz gelegentlicher Gegenwehr halten viele Männer ungeniert an ihren Ansichten fest, in dem Glauben, ohne Konsequenzen handeln zu können.
Der Aufstieg der "Männlichkeitsszene" und der anhaltende Frauenhass in Medien und Politik verdeutlichen eine wachsende Spaltung: Junge Männer, geprägt von radikaler Online-Rhetorik, rücken zunehmend in reaktionäre Lager. Gleichzeitig sehen sich mächtige Persönlichkeiten kaum mit Widerstand konfrontiert, wenn sie missbräuchlich agieren – und ermöglichen so, dass schädliche Haltungen ungehindert fortbestehen.






