10 May 2026, 12:14

Grüne zanken über Männlichkeit – kann Feminismus junge Männer gewinnen?

Schwarzes und weißes Foto einer Gruppe von Frauen der Frauenwahlrechtsbewegung, mit einer Frau in der Mitte sitzend.

Grüne zanken über Männlichkeit – kann Feminismus junge Männer gewinnen?

Debatte über Männlichkeit und Politik spaltet die Grünen

Innerhalb der deutschen Grünen entzündet sich eine Diskussion über Männlichkeit und politische Strategien. Felix Banaszak, einer der beiden Parteivorsitzenden, wirbt für einen neuen Ansatz, um junge Männer für feministische Ideen zu gewinnen. Doch Kritiker – darunter der eigene Bundesfrauenrat der Partei – zweifeln daran, ob seine Strategie funktioniert oder ob sie vielmehr veraltete Klischees verstärkt.

Die Debatte kommt zu einer Zeit, in der rechtsextreme Parteien bei jungen männlichen Wählern an Zuspruch gewinnen, während die Grünen versuchen, traditionelle Geschlechterrollen in einem sich wandelnden politischen Umfeld neu zu definieren.

Schon 2010 veröffentlichte eine Gruppe von 21 Grünen-Politikern ein Manifest mit dem Titel „Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich.“ Darin forderten sie Männer auf, traditionelle Geschlechterbilder infrage zu stellen und Gleichberechtigung zu leben. Sven Lehmann, einer der Initiatoren, räumt heute ein, dass sich zwar Einstellungen verändert hätten, viele Männer diese Ideen aber weiterhin ablehnten. Einige, warnt er, ließen sich stattdessen von den Kulturkämpfen der Rechten verführen.

Noch vor 20 Jahren trug der Torwart Tim Wiese pinkfarbene Handschuhe und Trikots, ohne dass seine Männlichkeit infrage gestellt wurde. Heute argumentiert Felix Banaszak – der sein Büro pink gestrichen hat –, dass starre Geschlechtererwartungen nicht nur Frauen, sondern auch Männer einschränkten. Er betont, dass Männer ein Eigeninteresse an Feminismus haben sollten – und nicht nur Frauen.

Banaszaks erster großer Versuch, junge Männer zu erreichen, war ein Interview mit dem Playboy, in dem er feministische Ideen als Frage persönlicher Freiheit präsentierte. Später gab er jedoch zu, dass sein Ansatz möglicherweise überarbeitet werden müsse. Die Balance zwischen Härte und Empathie, so seine These, könnte der Schlüssel sein, um jüngere männliche Wähler zu gewinnen.

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Die Dringlichkeit ist offensichtlich: Bei der letzten Bundestagswahl stimmten Männer unter 24 Jahren mehrheitlich für die rechtsextreme AfD, während Frauen derselben Altersgruppe eher linksliberale Parteien wählten. Vor der Europawahl 2024 rief der AfD-Politiker Maximilian Krah junge Männer, die Schwierigkeiten bei der Partnersuche hätten, sogar dazu auf, „recht zu sein“ – eine Botschaft, die die Anziehungskraft der Partei auf enttäuschte Männer unterstrich.

Innerhalb der Grünen bleibt der Bundesfrauenrat skeptisch. Er hinterfragt, ob Banaszaks geplantes Männerforum wirklich notwendig ist, und befürchtet, dass es die Konzentration auf Gleichstellung verwässern könnte, statt sie voranzubringen.

Die Grünen bewegen sich auf einem schmalen Grat. Banaszaks Bemühungen, junge Männer in feministische Diskurse einzubinden, stoßen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Partei auf Widerstand. Gleichzeitig wirbt die extreme Rechte weiterhin mit dem Versprechen traditioneller Rollenbilder und einfacher Lösungen um männliche Wähler.

Wie die Grünen ihre Botschaft anpassen, könnte nicht nur ihre eigene Zukunft prägen, sondern auch das politische Klima für die jüngeren Generationen insgesamt.

Quelle