Machtkampf im Kfz-Gewerbe: ZDK-Reformen spalten Handwerk und Verband
Philipp SchulteMachtkampf im Kfz-Gewerbe: ZDK-Reformen spalten Handwerk und Verband
Tiefgreifende Umstrukturierung im ZDK verschärft Konflikt mit dem Kraftfahrzeughandwerk
Eine weitreichende Neuordnung im Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) hat die Spannungen mit dem Zentralverband des Kraftfahrzeughandwerks (ZVK) weiter zugespitzt. Die im Januar 2024 beschlossene Reform entzieht den gemeinsamen Gremien das gemeinsame Personal und erzwingt eine strikte Trennung der beiden Verbände. Hinter dem Schritt steht ein langjähriger Streit um Kontrolle, Finanzierung und Vertretungsrechte im deutschen Kfz-Gewerbe.
Die Reformen kommen zu einem kritischen Zeitpunkt. Zwar haben sich die juristischen Auseinandersetzungen um die Abgasuntersuchungsgebühren (AÜK) beruhigt, doch die tieferliegenden Konflikte sind ungelöst. Der ZDK betont, die Änderungen würden für mehr Transparenz sorgen und den realen Gegebenheiten der Branche Rechnung tragen – Kritiker werten sie hingegen als gezielten Versuch, die Bindungen zum Handwerk endgültig zu kappen.
Die Neuerungen markieren einen radikalen Bruch mit der bisherigen Zusammenarbeit. Künftig dienen die Gremien nur noch als beratende Organe, während das alleinige Sprecherrecht bei der ZDK-Führung liegt. Personalentscheidungen werden künftig über die Mitgliederversammlung getroffen, wobei ein Sitz eigentlich – aber nicht zwingend – an einen Vertreter der Handwerksführung gehen soll. Zudem erhalten Werkstätten die Möglichkeit, sich direkt der Bonner Zentrale anzuschließen und damit die Landesverbände zu umgehen, die sich möglicherweise zurückziehen.
Die Finanzen sind zum Zankapfel geworden. Im Oktober 2025 forderte der ZVK 95 Prozent der bisherigen ZDK-Mitgliedsbeiträge ein, was eine Überarbeitung der Beitragsstruktur auslöste. ZDK-Präsident Thomas Peckruhn und Geschäftsführer Jürgen Hasler rechtfertigen die Reformen als notwendige Modernisierung, um den "branchenrealistischen Gegebenheiten" gerecht zu werden. Sie werfen dem ZVK vor, eine erzwungene Spaltung voranzutreiben – als Beleg verweisen sie auf die Abschaffung des gemeinsamen Personals in den Gremien.
Der ZVK weist diese Darstellung zurück. Bundesinnungsmeister Detlef Peter Grün betont, nur der Handwerksverband könne die Interessen der Werkstätten glaubwürdig vertreten. Die Schritte des ZDK untergruben die Stimme des Handwerks und setzten die Innungen der Gefahr organisatorischer Abdrift aus. Trotz des Umbruchs hat der ZDK bisher keine öffentlichen Änderungen in der Kommunikation mit Mitgliedern oder der Branche vorgenommen – externe Beobachter müssen die Folgen der internen Verschiebungen selbst deuten.
Für eine Versöhnung bleibt nur ein schmaler Pfad. Der ZDK signalisiert zwar, dass eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem ZVK möglich sei – allerdings nur, wenn das Handwerk die neuen Strukturen akzeptiert und die politische Führungsrolle Bonns anerkennt. Die Werkstätten stehen nun vor der Wahl: sich dem reformierten ZDK anschließen oder die Gegenwehr des ZVK unterstützen.
Das Ergebnis wird die deutsche Kfz-Branche auf Jahre prägen. Während rechtliche Streitigkeiten an Bedeutung verlieren, steigen die finanziellen Risiken. Die nächsten Schritte beider Seiten werden entscheiden, ob sich die Gräben vertiefen – oder ob sich eine fragile, aber funktionierende Arbeitsbeziehung entwickelt.