Mittelstandsverband MIT zerpflückt Regierungspolitik für die Autoindustrie
Philipp SchulteMittelstandsverband MIT zerpflückt Regierungspolitik für die Autoindustrie
Deutschlands größter Wirtschaftsverband, die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT), hat die Regierungspolitik im Automobilsektor scharf kritisiert. Der Verband mit rund 25.000 Mitgliedern wirft der Bundesregierung vor, es fehle an wirtschaftlichem Pragmatismus und Planungssicherheit für die Branche.
Die MIT-Vorsitzende Gerlinde Steingrüber nahm zwar am Autogipfel im Kanzleramt teil, verließ die Veranstaltung jedoch enttäuscht. Statt ideologiefreier Lösungen für die drängenden Probleme der Industrie habe es lediglich leere Absichtserklärungen gegeben, monierte sie. Konkrete Maßnahmen zur Überwindung der wirtschaftlichen Herausforderungen oder der anhaltenden Auftragsflaute blieben aus.
Steingrüber betonte, dass Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit als Automobilstandort zunehmend schwinde. Sie forderte mehr Planungssicherheit sowie eine vielfältige Palette an Mobilitätslösungen – darunter auch moderne Verbrennungsmotoren. Zudem kritisierte der MIT die von der Regierung vorgestellte „Strategieplattform für die Transformation der Automobil- und Mobilitätsbranche“ als praxisfern und ohne greifbare Antworten auf die drängenden Fragen der Unternehmen.
Die deutsche Fahrzeugproduktion sank 2022 auf etwa 3,4 Millionen Einheiten – ein Rückgang um 26 Prozent seit 2019. Verantwortlich für den Einbruch sind vor allem Lieferengpässe bei Vorprodukten sowie explodierende Energie- und Rohstoffkosten. Der MIT plädiert für eine Rückkehr zu einer an der sozialen Marktwirtschaft ausgerichteten Politik, um den Sektor zu stabilisieren.
Die Kritik des MIT unterstreicht die Kluft zwischen politischer Planung und den Bedürfnissen der Wirtschaft. Ohne klare Strategien und mehr wirtschaftliches Pragmatismus könnte sich die deutsche Automobilbranche nur schwer von der Krise erholen. Der Produktionsrückgang und die steigenden Kosten machen die Dringlichkeit der Lage überdeutlich.
