03 April 2026, 00:44

NRW führt Kernbetreuungszeiten in Kitas ein – Lösungsversuch gegen Fachkräftemangel

Eine Zeichnung von drei Kindern, die auf einer Decke sitzen, wobei eines ein Baby hält, auf einem Blatt Papier mit Text.

NRW führt Kernbetreuungszeiten in Kitas ein – Lösungsversuch gegen Fachkräftemangel

Nordrhein-Westfalen plant verbindliche Kernbetreuungszeiten in Kitas – neue Regelungen im Bildungsgesetz

Nordrhein-Westfalen will mit einem neuen Kindertagesbetreuungsgesetz verbindliche Kernöffnungszeiten in Kindertageseinrichtungen einführen. Kinderministerin Verena Schäffer (Grüne) verteidigte den Vorschlag als notwendige Lösung für den akuten Fachkräftemangel. Kritiker warnen jedoch, dass die Reform die Betreuungsqualität insgesamt verschlechtern könnte.

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Dem Plan zufolge sollen Kitas künftig nur noch fünf Stunden am Tag mit voll qualifizierten Kräften betrieben werden. Außerhalb dieser Kernzeit würden ergänzende Kräfte – die statt der üblichen drei nur zwei Jahre ausgebildet wurden – die sogenannten Randzeiten abdecken. Schäffer bezeichnete dieses Modell als pragmatischen Weg, um Einrichtungen offenhalten zu können, solange Stellen für ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher unbesetzt bleiben.

Die Ministerin räumte ein, dass das Land unter einem massiven Mangel an Fachkräften in der frühkindlichen Bildung leidet. Sie betonte, das System brauche mehr Planbarkeit, und verwies auf Vorbilder in anderen Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg. Dort hätten festgelegte Kernzeiten (7 bis 17 Uhr), die 2023 eingeführt wurden, zwar die Organisation für Eltern und Personal verbessert – allerdings gab es auch Kritik an geringerer Flexibilität und höheren Kosten.

Internationale Erfahrungen zeigen gemischte Ergebnisse: In Schweden haben sich die seit langem etablierten Kernzeiten (7:30 bis 17:30 Uhr) bewährt – die Betreuungsqualität und der Betreuungsschlüssel bleiben stabil. In Frankreich führte die Ausweitung der Kernzeiten im Rahmen des PAJE-Systems seit 2015 zwar zu einer höheren Erwerbstätigkeit von Müttern, gleichzeitig kam es aber in einigen Einrichtungen zu Überlastung und Platzmangel.

Ziel der geplanten Änderungen ist es, die Personalengpässe im nordrhein-westfälischen Kita-System zu mildern. Sollte der Gesetzentwurf verabschiedet werden, würden in den Randzeiten künftig weniger qualifizierte Kräfte eingesetzt. Ob die Reform die Betreuungsqualität und die Flexibilität für Eltern verbessert oder verschlechtert, hängt maßgeblich von der konkreten Umsetzung in den Einrichtungen ab.

AKTUALISIERUNG

NRW unveils funding and legislative steps for Kita reform

The government has confirmed key details for its Kita reform, including new financial and procedural measures. Here's what's next:

  • 200 million euros will be added to the 2026 Kita budget starting August 1.
  • 1.5 billion euros in investments will modernise infrastructure and reduce bureaucracy.
  • The bill has been formally submitted to the Landtag, with a Kita-Sozialindex to be developed by mid-2026 for equity-focused support.