THTR-300 in Hamm: Milliardengrab für Steuerzahler nach 36 Jahren Stilllegung
Anton MeyerTHTR-300 in Hamm: Milliardengrab für Steuerzahler nach 36 Jahren Stilllegung
Die Stilllegung des Thorium-Hochtemperaturreaktors (THTR-300) in Hamm, Nordrhein-Westfalen, belastet die Steuerzahler zunehmend. Ein aktuelles Gerichtsurteil bestätigte, dass weder das Land noch der Bund für die verbleibenden Kosten aufkommen müssen – stattdessen bleibt die insolvente Betreibergesellschaft auf den Ausgaben sitzen. Der von technischen Problemen geplagte Reaktor befindet sich seit 1989 im sicheren Einschluss; mit dem Rückbau soll erst 2028 begonnen werden.
Der THTR-300 ging ursprünglich aus militärischen Graphitreaktoren hervor und nutzte in seinen Brennstoffkugeln zu 93 Prozent angereichertes, waffenfähiges Uran. Der Bau wurde größtenteils aus Steuergeldern finanziert: Der Bund steuerte 1,28 Milliarden Euro bei, Nordrhein-Westfalen weitere 233 Millionen. Doch der Reaktor lief nur 423 Tage unter Volllast – in dieser Zeit kam es zu 125 meldepflichtigen Störfällen, woraufhin er 1989 abgeschaltet wurde.
Seitdem zieht sich die Stilllegung bereits 36 Jahre hin, wobei die Kosten bisher auf 441 Millionen Euro angewachsen sind. Davon übernahm der Bund 133 Millionen, das Land 152 Millionen und der Betreiber 156 Millionen. Doch die noch ausstehenden Kosten belaufen sich auf über 1,5 Milliarden Euro – ohne dass eine Lösung in Sicht wäre.
Im September 2025 stellte das Amtsgericht Dortmund die Betreiberfirma, die Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH (HKG), unter vorläufige Insolvenzverwaltung. Das Oberlandesgericht Düsseldorf entschied später, dass weder Land noch Bund für weitere Kosten aufkommen müssen. Unterdessen lagern in Ahaus weiterhin 305 Castor-Behälter mit rund 675.000 bestrahlten Brennstoffkugeln in einem Zwischenlager und warten auf eine endgültige Entsorgung.
Die vier Städte Bielefeld, Aachen, Hagen und Wuppertal, die jeweils 25 Prozent an der HKG halten, trugen historisch die Betriebskosten mit. Bei Gesamtausgaben von über zwei Milliarden Euro sehen sie sich nun mit Forderungen zwischen 200 und 300 Millionen Euro des insolventen Unternehmens konfrontiert. Rechtliche Schritte zur Rückforderung der Gelder sind bereits eingeleitet.
Die Stilllegung des THTR-300 wird sich bis 2044 hinziehen – die Kosten tragen letztlich die Steuerzahler. Das Erbe des Reaktors umfasst ungelöste Finanzstreitigkeiten, gelagerten Atommüll und einen jahrelangen Rückbauprozess. Die Insolvenz der HKG hinterlässt bei Städten und Behörden unbeglichene Verbindlichkeiten.






