Wie Opernhäuser mit Instagram die Generation Z erobern – auf Kosten der Kunst
Anton MeyerWie Opernhäuser mit Instagram die Generation Z erobern – auf Kosten der Kunst
Opernhäuser revolutionieren ihre Online-Auftritte. Viele setzen inzwischen auf Instagram, um mit Lifestyle-Inhalten jüngere Zielgruppen anzusprechen – statt den Fokus auf die Kunst selbst zu legen. Diese Entwicklung führt zu einer Mischung aus Humor, Mode und sogar Getränkewerbung in ihren Beiträgen.
Die Wiener Staatsoper präsentiert sich auf Instagram durch die Moderatoren Hemma und Jakob wie ein Freizeitpark oder ein Restaurant. Gesang wird zwar gelegentlich erwähnt, im Mittelpunkt steht aber das Erlebnis, nicht die Aufführung. Die Bayerische Staatsoper geht einen anderen Weg: Persönlichkeiten wie Vladimir Jurowski und Tobias Kratzer diskutieren hier über Wagner und Philosophie und verbinden Musik mit intellektuellen Themen.
Das Profil der Berliner Staatsoper setzt auf Tradition, wirbt um Sponsoren wie BMW und inszeniert Oper in klassischem Licht. Ganz anders der Instagram-Auftritt der Festspielhaus Baden-Baden: Hier wird klassische Musik mit „Spritz“-Cocktails kombiniert, während die Moderatoren während der Vorstellungen bemüht, aber etwas unbeholfen wirken, wenn sie versuchen, trendig zu erscheinen.
Auf den Plattformen teilen junge Influencer Tipps zum Bestellen von Pausen-Snacks, zur Auswahl der richtigen Outfits und zum Beherrschen grundlegender Opern-Knigge-Regeln. Eine wiederkehrende Figur ist „Opera Bert“, der oft in verspielt-skurrilen Posen zu sehen ist und für eine lockere Note sorgt. Im Vordergrund stehen dabei Drinks, Dresscodes und „Überlebenstipps“ – die Musik selbst rückt in den Hintergrund.
Der Trend reduziert Oper auf Unterhaltung und Konsum statt auf eine Kunstform. Die Häuser sprechen gezielt die Generation Z mit Tutorials und Lifestyle-Ratschlägen an. Das Ergebnis ist eine digitale Präsenz, die auf Interaktion setzt – und dabei künstlerische Tiefe opfert.
