Willich schließt Kitas wegen drastischem Geburtenrückgang und 350 freien Plätzen
Lina SchmidtWillich schließt Kitas wegen drastischem Geburtenrückgang und 350 freien Plätzen
Willich passt seine Kinderbetreuungsangebote angesichts eines deutlichen Geburtenrückgangs an. In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Kleinkinder in der Stadt um 26 Prozent gesunken – fast 350 Kita-Plätze bleiben dadurch ungenutzt. Nun reagieren die Verantwortlichen mit Umstrukturierungen: In den nächsten drei Jahren sind Schließungen, Verlegungen und Erweiterungen geplant.
Der demografische Wandel zwingt die Stadt zu einer Neuausrichtung der Kinderbetreuung. Seit 2020 ist die Geburtenrate in Willich um 30 Prozent eingebrochen – ein Rückgang, der deutlich über dem regionalen Durchschnitt liegt. Die Zahl der Kinder zwischen 0 und 6 Jahren sank von 404 im Jahr 2018 auf nur noch 298 im Jahr 2025. Trotz neuer Wohnbauprojekte zeigen Prognosen einen Überschuss von 440 Betreuungsplätzen bis 2029.
Die Kita Alperhof wird ihren aktuellen Standort verlassen, da das Gebäude wegen Haushaltskürzungen abgerissen werden soll. Statt eines Neubaus dort zieht die Einrichtung in das generationenübergreifende Projekt Reinershof um. Die Kita St. Irmgardis schließt nach dem Kitajahr 2026/2027; ihr Gebäude wird ab 2027/2028 von der Kita Villa Kunterbunt genutzt. Die modernisierten Räumlichkeiten bieten dann erweiterte Leistungen, darunter Ganztagsbetreuung und Mittagsverpflegung.
Weitere Änderungen betreffen die letzte Verlängerung der AWO-Kita Blaues Haus in Schiefbahn bis zum 31. Juli 2027 – danach steht eine mögliche Schließung zur Debatte. Auch das Brückenprojekt Schatzkiste des DRK endet zum 31. Juli 2026. Stadt und Kirchengemeinden wollen die Angebote bedarfsgerecht weiter anpassen.
Eltern aus dem Norden Willichs kritisieren das fehlende lokale Angebot und befürchten, dass dies junge Familien zum Wegzug bewegt. Die Stadt verweist jedoch darauf, dass die Fahrzeiten zur nächstgelegenen Kita – 16 Minuten mit dem Bus oder 9 Minuten mit dem Auto – innerhalb der gesetzlichen Vorgaben lägen.
Ziel der Anpassungen ist es, das Betreuungsangebot an die sinkende Nachfrage anzupassen und gleichzeitig die Qualität zu verbessern. Durch die Erweiterung der Villa Kunterbunt und die Verlegung des Alperhofs werden Ressourcen umgeschichtet, auch wenn einige Einrichtungen geschlossen werden. Die Verantwortlichen werden die Entwicklung weiter genau beobachten, da sich die demografischen Rahmenbedingungen weiterhin ändern.