20 March 2026, 18:15

Christian Ulmen: Vom Provokateur zum Beschuldigten in einem Digitalgewalt-Skandal

Schwarz-weißes Magazin-Cover mit der Aufschrift 'Humoristische Liste', das einen Mann in einem Anzug mit ernster Miene und eine Frau zeigt, die verschmitzt in eine andere Richtung schaut.

Christian Ulmen: Vom Provokateur zum Beschuldigten in einem Digitalgewalt-Skandal

Christian Ulmen – vom umstrittenen Unterhalter zum Beschuldigten: Schwere Vorwürfe digitaler Gewalt und Manipulation

Christian Ulmen, einst eine polarisierende, aber beliebte Figur der deutschen Unterhaltungsbranche, sieht sich nun schweren Vorwürfen digitalen Missbrauchs und psychologischer Manipulation ausgesetzt. Seine Ex-Frau, die Schauspielerin Collien Fernandes, wirft ihm vor, in ihrem Namen gefälschte Online-Profile erstellt, explizite Inhalte verbreitet und sich betrügerisch verhalten zu haben. Die von Der Spiegel im März 2026 veröffentlichten Enthüllungen lösten Empörung aus und führten zu Forderungen nach rechtlichen Konsequenzen.

Ulmen baute seine Karriere auf der Darstellung überzogener, frauenfeindlicher Charaktere auf – Rollen, die heute unheimlich nah an den realen Vorwürfen gegen ihn erscheinen. Seine früheren Projekte, darunter Reality-Shows wie Mein neuer Freund oder Wer will meine Freundin vögeln?, werden angesichts von Fernandes' Aussagen neu bewertet. Sie bezeichnet die Vorfälle als eine Form "virtueller Vergewaltigung".

In den mittleren 2000er-Jahren wurde Ulmen durch Mein neuer Freund bekannt, eine Reality-Show, in der er wöchentlich einen anderen "Albtraum-Freund" spielte. Das Konzept: Frauen stellten ihren neuen Partner der Familie vor – nur um mitanzusehen, wie Ulmens Figur sich abscheulich benahm, was oft zum Beziehungsende führte. Die derbe Komik und die frauenverachtenden Untertöne der Sendung waren bereits damals umstritten.

Ein weiteres umstrittenes Format war Wer will meine Freundin vögeln?, eine Spielshow, in der Männer um den Titel "heißeste Freundin" wetteiferten. Die Aufgaben wurden als demütigend und geschmacklos kritisiert und zementierten Ulmens Ruf als Provokateur, der Grenzen austestete.

Doch hinter den Kulissen soll Ulmen laut Fernandes noch weiter gegangen sein. Sie wirft ihm vor, unter ihrem Namen Fake-Profile angelegt, Deepfake-Pornografie verbreitet und Telefonsex geführt zu haben – alles in ihrer Identität. Die in Spanien erhobenen Anzeigen erinnern an andere prominente Missbrauchsfälle, etwa den von Gisèle Pelicot, deren Leitspruch "Die Scham muss die Seite wechseln" in Debatten über Verantwortung wieder aufgegriffen wird.

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Die Reaktionen ließen nicht auf sich warten: Der Streamingdienst Joyn nahm Ulmens Serie Jerks aus dem Programm, ProSiebenSat.1 distanzierte sich von seinen Projekten. Prominente und Aktivist:innen solidarisierten sich mit Fernandes und forderten strengere Gesetze gegen Deepfake-Missbrauch. Die juristischen Verfahren stecken noch in den Anfängen; Ulmen gilt Stand 20. März 2026 als unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist.

Seine bekannteste Figur – der reiche, dominierende Adlige Alexander von Eich, der Freundinnen mit einem Stock demütigte – wirkt im Nachhinein wie eine makabre Vorwegnahme. Der Kultcharakter prägte einst sein Image, doch die realen Vorwürfe überlagern nun seine Karriere und werfen die Frage auf, wie solches Verhalten jemals als Unterhaltung durchging.

Fernandes' Schilderungen reihen sich ein in eine wachsende Liste von Fällen, in denen Frauen über digitale und psychische Gewalt durch mächtige Männer sprechen. Für Ulmen haben die Vorwürfe bereits berufliche Konsequenzen: Seine Shows wurden abgesetzt, sein Ruf ist beschädigt. Während die juristische Aufarbeitung läuft, zeigt der Fall Lücken im Schutz vor Deepfake-Missbrauch und die langfristigen Folgen öffentlicher Bloßstellung.

Der Vergleich mit Pelicots Bewegung von Missbrauchsüberlebenden unterstreicht einen gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit solchen Vergehen. Aktuell steht Fernandes' Kampf um Gerechtigkeit im Fokus – und die Forderung nach strukturellen Veränderungen, die über den Einzelfall hinausgehen.

Quelle