24 December 2025, 16:41

Radikale Pioniere: Die Tödliche Doris feiert Retrospektive in Bremen

Eine Gruppe von Frauen in bunten Kleidern, die singen und Trommeln halten, vor einem schwarzen Vorhang und zwei blauen Roll-up-Plakaten.

Radikale Pioniere: Die Tödliche Doris feiert Retrospektive in Bremen

Im Weserburg Museum in Bremen hat eine bahnbrechende Ausstellung zu Ehren von Die Tödliche Doris ihre Pforten geöffnet. Die Schau ist die erste große Retrospektive des einflussreichen West-Berliner Kollektivs, das 1980 als Punkband begann und sich später zu einer radikalen, interdisziplinären Gruppe entwickelte. Über ein Jahrzehnt hinweg sprengten sie mit ihrer Arbeit in Musik, Film, Fotografie und Performance künstlerische Konventionen.

Gegründet wurde das Kollektiv 1980 von den Kunst- und Filmstudenten Wolfgang Müller und Nikolaus Utermöhlen. Zu den frühen Mitgliedern zählten Chris Dreier (1980–1981), Dagmar Dimitroff (ab 1981), Elke Kruse (ab 1982) sowie Tabea Blumenschein, die von Anfang an dabei war und auch an späteren Projekten mitwirkte. Obwohl sie als Punkband starteten, erweiterten sie schnell ihr Spektrum und lehnten traditionelle Virtuosität zugunsten von Experimentierfreude ab.

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Der Film wurde zum zentralen Medium ihrer Arbeit, oft verbunden mit anderen Kunstformen. Ein markantes Werk, Materialien für die Nachkriegszeit, bestand darin, weggeworfene Passfotos aus den U-Bahn-Stationen West-Berlins zu sammeln, zu restaurieren und als Filmprojektion zu präsentieren. Die aktuelle Ausstellung greift diesen immersiven Ansatz auf und zeigt mehrere Super-8-Filme gleichzeitig – ein dynamisches, vielschichtiges Erlebnis. 1981 traten sie beim Festival der genialen Dilettanten im Tempodrom auf, gemeinsam mit anderen Avantgarde-Künstlern. Sechs Jahre später überraschten sie das Publikum auf der documenta in Kassel, als sie statt eines Punk-Spektakels ein konzeptuelles Gemälde präsentierten. Werke wie Die Gesamtheit allen Lebens und alles Darüber Hinaus – ebenfalls in der Weserburg zu sehen – demonstrieren ihre spielerische Unterwanderung von Erwartungen, eine Mischung aus Ironie und konzeptueller Tiefe.

Die Retrospektive im Weserburg versammelt Jahrzehnte des provokanten Schaffens von Die Tödliche Doris. Ihre Ablehnung künstlerischer Normen und ihre Hingabe an interdisziplinäres Chaos hinterließen bleibende Spuren in Berlins Underground-Szene. Die Ausstellung bietet einen umfassenden Überblick über ihr grenzüberschreitendes Werk und läuft noch bis [Datum einfügen, falls bekannt].