"Thirst Traps": Wie Sexualisierung in sozialen Medien zum Geschäft wird
Philipp SchulteVerführerische TikTok-Clips: Was steckt hinter 'Thirst Traps' - "Thirst Traps": Wie Sexualisierung in sozialen Medien zum Geschäft wird
"Thirst Traps": Wenn Aufmerksamkeit mit Sexualisierung erkauft wird
Sexualisierte Fotos und Videos, bekannt als "Thirst Traps", sind auf sozialen Medien längst zur gängigen Strategie geworden. Solche Posts zielen darauf ab, durch suggestives Material Aufmerksamkeit zu erregen und die Interaktionsraten in die Höhe zu treiben. Während manche Influencer:innen von diesem Trend profitieren, warnen Expert:innen vor den weiteren Folgen – besonders für jüngere Nutzer:innen.
Der Begriff "Thirst Trap" setzt sich aus "thirst" (engl. für Verlangen nach Aufmerksamkeit) und "trap" (dt. Falle) zusammen – eine Metapher für den köderartigen Charakter der Inhalte. Typisch sind provokante Posen oder Outfits, die gezielt Likes, Kommentare und Shares auslösen sollen. Die Sozialpädagogin Tessa-Marie Menzel betont, dass Nutzer:innen bereits in dem Moment in die "Falle" tappen, in dem sie mit den Posts interagieren – und so den Kreislauf der Aufmerksamkeitssuche weiter anheizen.
Ein Experiment der deutschen YouTuberin Annikazion aus dem Jahr 2023 zeigte, wie wirkungsvoll solche Inhalte sein können: Durch tägliche "Thirst Traps" steigerte sie ihre Follower-Zahlen deutlich. Influencer-Gruppen wie The Elevator Boys – fünf deutschsprachige Creator mit 2,7 Millionen TikTok-Followern – haben aus dieser Strategie sogar Karrieren gemacht. Ursprünglich durch suggestive Videos bekannt geworden, arbeiten sie mittlerweile als Models, Schauspieler und als Boygroup – weit über die sozialen Medien hinaus.
Die Bewertungen des Phänomens fallen zwiespältig aus. Der Medienpädagoge Rudolf Kammerl sieht die "Falle" im uneingelösten Versprechen von Nähe und Intimität. Andere argumentieren, dass solche Posts auch selbstbestimmte Ausdrucksformen sein oder Einsamkeit lindern können – gleichzeitig aber enge Schönheitsideale verstärken. Besonders problematisch bleibt die Sexualisierung von Körpern, vor allem denen von Frauen. Zudem treibt der finanzielle Anreiz den Trend voran: Influencer:innen verdienen über Werbung, Sponsoring oder direkte Zahlungen, die an die Interaktionsraten geknüpft sind.
Die Reichweite dieser Inhalte wirft weitere Fragen auf. Da Kinder und Jugendliche regelmäßig mit "Thirst Traps" konfrontiert werden, entzündet sich daran die Debatte über jugendgerechte Inhalte und die Verantwortung der Plattformen.
Die Strategie prägt die sozialen Medien nachhaltig – zwischen persönlicher Markenbildung und wirtschaftlichem Erfolg. Doch während Influencer:innen ihre Einnahmequellen diversifizieren, stehen die langfristigen Auswirkungen auf Creator:innen wie Zuschauer:innen weiterhin in der Kritik: zwischen Selbstinszenierung, Objekthaftigkeit und dem Einfluss auf junge Zielgruppen.






