Kölner Initiative fordert Sicherheit ohne Überwachung und Polizeikontrolle
Kölner Initiative fordert Sicherheit ohne Überwachung und Polizeikontrolle
Neue Kampagne in Köln stellt Polizeipolitik infrage
In Köln formiert sich Widerstand gegen die wachsende Abhängigkeit von Polizei und Überwachung zur Lösung von Sicherheitsfragen. Die Initiative "Sicherheit für alle" argumentiert, dass echte Sicherheit nicht durch Kameras und Streifen, sondern durch Vertrauen in der Gemeinschaft entsteht. Aktivist:innen fordern nun einen Kurswechsel im Stadtteil Kalk, der häufig als Brennpunkt der Kriminalität bezeichnet wird.
Anlass der Kampagne ist der "Masterplan Kommunale Sicherheit" der Stadt Köln, der sich besonders auf Kalk und Ehrenfeld konzentriert. Beide Viertel, in denen viele Migrant:innen und Arbeiter:innen leben, kämpfen mit steigender Armut und verstärkter Polizeikontrolle. Kritiker:innen werfen dem Plan vor, marginalisierte Gruppen wie Obdachlose und migrantische Gewerbetreibende ungleich zu behandeln, die häufiger Razzien ausgesetzt sind.
Bei einer kürzlichen Veranstaltung verglich der Aktivist Cuso Ehrich die aktuelle Politik mit den Versäumnissen im Vorfeld des rassistischen Anschlags von Hanau 2020. Trotz vorheriger Warnungen blieb die Gewalt ungehindert – mehr Kameras oder Polizeipräsenz hätten die Tragödie nicht verhindert, so Ehrich. Stattdessen brauche es Lösungen, die die Ursachen von Unsicherheit bekämpfen. Die Kampagne verweist auf Projekte wie "Kalk Solidarisch" und das "Toni-Nachbarschaftszentrum", wo Anwohner:innen gemeinsam Lösungen für lokale Probleme entwickeln.
Die Überwachung in Köln hat in den letzten Jahren stark zugenommen: Rund 106 Festinstallierte Kameras überwachen mittlerweile die Stadt. Aktivist:innen warnen, dass bald auch KI-gestützte Gesichtserkennung zum Einsatz kommen könnte – mit gravierenden Folgen für Datenschutz und Rassismusrisiken. Elia Lorber, ein weiteres Kampagnenmitglied, wirft der Politik vor, Sicherheit als Vorwand zu nutzen, um migrantisch geprägte und einkommensschwache Viertel zu kontrollieren, statt in soziale Unterstützung zu investieren.
"Sicherheit für alle" fordert einen Abschied von der Überwachungslogik und setzt stattdessen auf gemeindebasierte Ansätze. Vertrauen und lokale Zusammenarbeit seien wirksamer im Kampf gegen Unsicherheit als polizeiliche Repression. Da es keine offiziellen Vergleiche zur Kameranutzung in anderen Stadtteilen gibt, bleibt die Kritik an Kölns Sicherheitsstrategie bestehen.
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